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Otello darf nicht platzen

23.12.2010

Foto © Harald Morsch


Kammerspiele Paderborn. Köstlicher Spass und Situationskomik vom Feinsten in der Schützenhalle.
von Michael Mentzel

Max und Maggie sind verlobt. Denkt Max (Johannes Hoffman), aber seine Freundin (Franziska Schlaghecke) hat anderes im Sinn. Sie wartet sehnsüchtig auf die Ankunft von Startenor Tito Merelli (Volker Weidlich), der am Abend im Opernhaus Cleveland/Ohio Verdis Otello geben wird. Überhaupt warten alle auf den berühmten Tenor. Da ist einmal der vorlaute Hoteldiener (Marian Funk), der unbedingt ein Foto machen will, dann Diana (Cornelia Schönwald), die sich als Desdemona von ihrem berühmten Kollegen künftige Protektion verspricht, und schließlich "Tante" Julia (Angelika Hofstetter), die Präsidentin der Operngilde. Maggies Papa (Stefan Herforth), der Impresario der Opernbühne, ist nervös. Man kennt sie ja, diese überdrehten Stars: Alkohol, Sex und Völlerei, da heißt es auf der Hut sein, und Tito Merelli nicht von der Seite zu weichen, wenn er eingetroffen ist.

Als der Startenor endlich ankommt, ist er unpässlich, sein Magen macht ihm zu schaffen, er ist müde, proben will er überhaupt nicht und seine Frau Maria (Ulrike Fischer) verlässt ihn, tobend vor Eifersucht, weil er immer nur "Busens" gucken will. Und dann verwechselt er die Magen- mit den Schlaftabletten und bringt sich damit - wie es scheint - unglücklicherweise auch noch um. Nicht ohne seinem "Bewacher", dem Faktotum Max vorher noch eine Lehrstunde in Sachen Gesang gegeben zu haben. Max träumt nämlich von einer Karriere als Opernsänger, woran ihn seine Minderwertigkeitskomplexe bisher erfolgreich gehindert haben. Ideale Ingredienzien also für eine Verwechslungskomödie!

Es kommt wie es kommen muss, Max wird zwangsverpflichtet, muss dem Operndirektor aus der Patsche helfen und findet sich plötzlich als Otello auf der Bühne wieder. Die Blamage ist abgewendet, Otello ist nicht geplatzt und das Publikum feiert den "italienischen" Gesangsstar. Fatalerweise aber ist inzwischen der richtige Otello aufgewacht und hat sich - mit seinem eigenen Kostüm und geschminkt - auf den Weg zur Oper gemacht, um den Otello zu geben. Schließlich ist er ein Profi. Jedoch, die Aufführung ist in vollem Gang und man hält ihn für einen Verrückten. Es gelingt ihm aber die Flucht vor der Polizei zurück in seine Hotelsuite, in der auch alle anderen inzwischen eingetroffen sind.

Zurück im Hotel, sehen Maggie, Diana und Julia endlich ihre Stunde gekommen und auch der Hoteldiener freut sich, dass er - hoffentlich - sein Foto von Tito Merelli machen darf.

Das von Karin Fritz unaufwendig gestaltete Bühnenbild, eine Hotelsuite mit Schlaf- und Wohnzimmer, Bad, Wandschrank und jede Menge Türen lenkt nicht von der Handlung ab und gestattet es, dass im weiteren Verlauf des Stückes die beiden Otellos von einer furiosen Situation in die andere stolpern können. Sie lassen sich auch durch die Tür nicht aufhalten, die plötzlich mit sich selbst ins Haus fällt. Die kurze Schrecksekunde wird absolut professionell beherrscht und wer weiß, vielleicht gehört es zum Stück? Als dann auch noch Maria, die Ehefrau des Startenors zurückkommt, ist das Chaos komplett.

Ken Ludwig ist ein mit vielen internationalen Preisen ausgezeichneter Autor und mit "Otello darf nicht platzen" ist ihm ein wirklicher Theaterspaß gelungen. Unter der Regie von Harald Demmer wird das Stück vom Ensemble der Paderborner Kammerspiele ausgesprochen witzig und pointensicher dargeboten. Das Premierenpublikum war begeistert und es sollte mich sehr wundern, wenn bei den nächsten Aufführungen nicht auch mit stehenden Ovationen zu rechnen ist. Das Ensemble hätte es - ohne Einschränkung - durchaus verdient.

Weitere Termine: Spielplan Kammerspiele-Paderborn

 

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