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Nur ein paar Piekser?

Von der Schwierigkeit, individuelle Impfentscheidungen zu treffen

mm/tdz. In fast allen Bereiche des gesellschaftlichen und sozialen Lebens greifen mittlerweile sogenannte Lobby-Organisationen "helfend" und "beratend" ein. Bei politischen Entscheidungen sitzen die Vertreter großer Unternehmen häufig mit am Tisch und es ist oft auch eine Frage der Interessen des Unternehmens oder der Organisation, wohin eine Entscheidung über ein bestimmtes Problem führt. In den meisten Fällen wird es sinnvoll sein, Fachleute zu bestimmten Themen zu hören und deren Argumente zu berücksichtigen, manchmal hat die Nähe zu bestimmten Unternehmen allerdings auch einen schlechten Beigeschmack. So zum Beispiel bei der Frage des Impfens.

Bei einigen Mitgliedern der "unabhängigen" Ständigen-Impf-Kommission (STIKO), die am Robert-Koch-Institut angesiedelt ist, finden sich nach Angaben der Webseite www.individuelle-impfentscheidung.de Hinweise auf Nebentätigkeiten für Pharma-Unternehmen. [1] Da lässt sich natürlich durchaus fragen, ob die Empfehlungen dieser Kommission tatsächlich immer unabhängig getroffen werden. Wenn der Vorsitzende dieser Kommission nämlich gleichzeitig eng mit verschiedenen Herstellern von Impfstoffen, so zum Beispiel mit GlaxoSmithKline (GSK) zusammenarbeitet, wie es auf der Seite [2] zu lesen ist, sind kritische Fragen angebracht.

Auch die Namen anderer Mitglieder tauchen des öfteren in PR-Beiträgen der Pharmafirmen auf, so gibt zum Beispiel Frank von Sonnenburg, ebenfalls Mitglied der STIKO, Tips zu Impfungen bei Auslandsreisen. Das mag noch sinnvoll sein, allerdings, ganz uneigennützig sind die Aussagen von Fachleuten in derartigen Beiträgen im Normalfall nicht. Denn für solche Statements, die natürlich die Interessen des Unternehmens berücksichtigen, werden im Allgemeinen auch Honorare gezahlt. Aber nicht immer ist es wie bei diesem Beitrag [3] ersichtlich, welches Unternehmen dahintersteckt. Eines ist jedenfalls fast allen Beiträgen gemeinsam, von Risiken und Nebenwirkungen wird, wenn überhaupt, höchstens in unbedeutenden Nebensätzen gesprochen.

Im Zusammenhang mit Fragen von Impfentscheidungen werden Ärzte und Eltern, die nicht vorbehaltlos alle Empfehlungen der STIKO akzeptieren, schon mal in die Ecke von Halbkriminellen gerückt, wenn sie darauf bestehen, dass Aufklärung auch die Information über die Risiken einer solchen Entscheidung beinhaltet. Auf einer nachgerade militant erscheinenden Internetseite eines gewissen Ralf Behrmann [4] jedenfalls sind alle Ärzte, die nicht eine sogenannte 100%ige Durchimpfung befürworten, grundsätzlich Verbrecher, Scharlatane und Psychopaten. Zitat: "Kriminell Menschenverachtendes von der potentiell oder veritabel tödlichen Anthropopsychopathie-Sekte zu Kindern,Krankheiten und Impfungen. Wohlergehen und Menschenleben sind diesen Kriminellen völlig egal."

Es ist also nicht ganz einfach, eine Haltung zum Impfen einzunehmen, die die Information in den Vordergrund stellt und die die letzte Entscheidung und die Verantwortung bei den Eltern belassen möchte. Der Aufwand, der für die Aktionen der "Impf-Lobby" getrieben wird, ist beträchtlich. Die Wirkung aber auch, denn wer möchte sich schon gern als kriminell einschätzen lassen. Die Methoden jedenfalls werden immer subtiler, neuerdings werden schon die Kinder selbst mit Hilfe des Internets massiv beeinflusst. So beispielsweise auf der Webseite www.mach-den-impfcheck.de. Dort werden 9-18jährige aufgefordert, ihre Daten, inclusive Adresse, Telefonnummer etc. einzugeben. Zur Belohnung erhalten sie Visitenkarten und werden zu "Impfbotschaftern" ernannt. [5]

Für Heidrun Loewer vom Patientenverband gesundheit aktiv. anthroposophische heilkunst e.v. [6] steht bei der Frage von Impfentscheidungen im Vordergrund, "..dass die Möglichkeit der umfassenenden Information durch Ärzte gegeben ist, und dass die Eltern nicht durch Horrormeldungen verunsichert werden. Wenn auch die anthroposophische Medizin zu den Kinderkrankheiten eine klare Meinung hat, ist es letztendlich doch immer die Sache der Eltern, in Übereinstimmung mit ihrem Kinderarzt, zum Wohle ihrer Kinder diese Entscheidung zu treffen."

Den Bestrebungen, eine gesetzliche Impfpflicht einzuführen, wie sie vom Deutschen Ärztetag gefordert wurde [7], erteilt der Verein jedenfalls eine klare Absage. Heidrun Loewer im Gespräch mit Themen der Zeit: "Wir haben eine Kampagne zur freien Impfentscheidung gestartet, weil wir der Meinung sind, dass Gesundheit vor allem beim kleinen Kind ein aktiver Lernvorgang ist, der durch seine Intensität die gesamte Entwicklung des Kindes kennzeichnet. Jedes kleine Kind setzt sich mit seiner Umwelt auseinander, spielt mit ihr und lernt dadurch, sie zu begreifen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, fieberhafte Erkrankungen durchzumachen. Dabei kommt den klassischen Kinderkrankheiten eine besondere Bedeutung zu. Sie helfen mit, gerade auch durch die Überwindung von akut-fieberhaften Krisen in der frühen Kindheit, das kindliche Immunsystem zu entwickeln und zu stärken. Übrigens ist das auch die Erkenntnis der modernen Immunologie."

 

 

 

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