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Kerstin Westphal, Ulrike Fischer, Franziska Schlaghecke | foto Harald Morsch |

"Dorfschönheit" - Uraufführung im Studio des Theaters Paderborn. Die Geschichte über die Geschichte einer vergeblichen Leidenschaft, die Leiden schafft. von Michael Mentzel
Eine Geschichte, die zu Beginn ein wenig verwirrt. Wer ist eigentlich wer? Und: ist es eine Liebesgeschichte, die Judith Kuckart erzählt? Fede, die Lehrerin aus Sesenheim, ist zwar befreundet mit dem 15 Jahre jüngeren Clemens, wartet aber eigentlich in ihrem "Schließfach" im sechsten Stock des Wohnblocks am Stadtrand auf einen, mit dem sie zwei Jahre Sex, fünf Jahre Liebe und 15 Jahre Freundschaft haben kann. Dem inzwischen berühmten Schriftsteller Wendisch aber, mit dem sie eine kurze Beziehung hatte und den sie dabei im Sinn hat, liegt offensichtlich daran gar nichts, wie sich im Verlauf der Geschichte herausstellen wird. Was für Fede schicksalhafte Begegnung, war für ihn nur Intermezzo. Die Anleihen an die Geschichte von Friederike Brion aus Sesenheim und ihre kurze Liason mit dem großen Wolfgang von Goethe sind unübersehbar.
"Kann ein Mann einen anderen verdecken?", fragt die Autorin selbst in ihren Anmerkungen zum Stück. Ihre Antwort: "Ja!". Wie der Hinweis an ungesicherten Bahnübergängen in Frankreich: "Ein Zug kann einen anderen verdecken". Keine Chance also für die Dorfschönheit Fede, das Warten auf die Liebe ihres Lebens entpuppt sich als vergeblich. Bemerkt sie es überhaupt? Die Freundschaft mit Clemens scheitert an Mathilde, das ist die mit dem bauchfreien T-Shirt - und auch der Taxifahrer, der sie von ihrer kurzen Wiederbegegnung mit Wendisch nach Hause fährt, ist plötzlich zu neuen Ufern oder zu neuen Fahrgästen verschwunden.
Wie diese Geschichte um die 38-jährige Lehrerin Fede in Szene gesetzt wird, ist beachtlich und macht aus dieser - eigentlich nicht besonders ungewöhnlichen Geschichte - ein gleichermaßen zur Unterhaltung, aber auch zum Mitfühlen anregendes Theater. Kerstin Westphal, Franziska Schlaghecke und Ulrike Fischer schlüpfen gekonnt in die Rollen der jeweiligen ProtagonistInnen. Die anfangs aufscheinende Verwirrung ordnet sich zu einem klar konturierten Ablauf, in dem die Stationen nachgezeichnet werden, die auf dem Anwohnerparkplatz vor dem Haus der 38-jährigen Lehrerin ihren Abschluss finden werden.
Dieses Stück ist nicht vordergründig auf Heiterkeitsausbrüche des Publikums aus, außer kleinen Glucksern ist nicht viel zu hören; gleichwohl ist es durchzogen von feinem Humor, der sich insbesondere im Minenspiel und in der Körpersprache der drei Schauspielerinen zeigt, wogegen Johannes Hoffmann eine ruhende, fast statische Figur abgibt.
Das Bühnenbild entsteht während des Spiels durch - von den Schauspielern selbst in Szene gesetzte - stimmige Videoelemente und kleine, aber sehr wirkungsvolle "Gimmicks" wie zum Beispiel das Gartentor in Fedes Elternhaus, stilisiert durch das Quietschen der Metallfüße einer Bierbank.
"Dorfschönheit" ist eine Geschichte über die Geschichte einer vergeblichen Leidenschaft, die Leiden schafft. Verdienter Applaus in der Studiobühne des Theaters Paderborn für diese Uraufführung.
Regie: Judith Kuckart Bühnenausstattung/Kostüme und Videoinstallation. Martin Rottenkolber Weitere Aufführungstermine hier >
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