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Michael Mentzel/TdZ - unter Verwendung von Material von NNA
Am 7.Juli 2006 hat der Wissenschaftsrat, das hochschul- und forschungspolitische Beratungsgremium des Bundes und der Länder, dem Fortschrittskonzept der Wittener Humanmedizin zugestimmt. Somit ist nicht nur die Fortführung des medizinischen Modellstudiengangs gesichert, in den die Universität ohne Auflagen weiterhin neue Studierende aufnehmen kann. Die Entscheidung des Wissenschaftsrates bedeutet auch den letzten Baustein für die vollständige Akkreditierung der Universität als Gesamteinrichtung. Mit dieser Entscheidung hat der Wissenschaftsrat seine im Jahre 2005 geäußerten Vorbehalte gegenüber der Privatuniversität Witten-Herdecke zurückgenommen, so dass die Fortführung des Studienkonzeptes jetzt gewährleistet ist. Die Medizinerausbildung ist somit gesichert. Durch die Nachbesserung im Bereich der Forschung, einer Verbesserung des internen Qualitätsmanagements und einer Aufstockung des internen Personals konnten die Kritikpunkte des Wissenschaftsrates ausgeräumt und die Uni damit vollständig rehabilitiert werden. Ein Jahr hatte die Unversität Zeit, auf die vernichtende Kritik, die ein gewaltiges Medieninteresse hervorgerufen hatte, zu reagieren. Vom Wissenschaftsrat wurde jetzt auch anerkannt, dass sich die Universität, wie es heißt: "durch innovative Ansätze auszeichnet." Gemeint damit ist die medizinische Lehre, der frühe intensive Patientenkontakt der Studierenden, sowie die Verknüpfung von vorklinischen und klinischen Studieninhalten. Das neue Konzept werde nun zügig umgesetzt, sagte Unversitätspräsident Wolfgang Glatthaar gegenüber der Presse in Witten und bedankte sich dabei auch beim Land Nordrhein-Westfalen für die konstruktive Begleitung bei diesem Prozess. Die Kernpunkte des Konzepts sind neben dem neuen Schwerpunkt Versorgungsforschung die Ausweitung der grundlagenorientierten Forschung und Lehre sowie eine bessere Vernetzung der Fakultäten Biowissenschaft und Medizin. Die personelle Ausstattung wird durch neun interne Professuren und 21 wissenschaftliche Mitarbeiter aufgestockt. Die Fakultät fühle sich dem Gedanken einer konsequenten Qualitätssicherung verpflichtet, die sie sowohl in jährlichen Berichten als auch gegenüber dem neu eingerichteten wissenschaftlichen Beirat sowie der Öffentlichkeit dokumentieren werde, heißt es in der Präambel zum neuen Konzept. Die Forschungsaktivitäten der Universität wurde einer grundlegenden Analyse unterzogen und das Ergebnis ist das neue Forschungskonzept mit dem Titel "Innovationstransfer als Kernaufgabe klinischer Forschung". Nach Auffassung der Universität leide die klinische Forschung darunter, das die Ergebnisse der Grundlagenforschung nicht in klinischen Studien evaluiert und damit auch nicht unmittelbar für die Patientenversorgung nutzbar gemacht werde. Deshalb stelle ein solches Konzept eine Notwendigkeit für die weitere Entwicklung eben dieser klinischen Forschung dar. Die Forschungsaktivitäten können dabei auf die innovative Struktur der Universität Witten/Herdecke zurückgreifen, die sich besonders durch die langjährige Kooperation mit Krankenhäusern, Arztpraxen und Rehabilitationseinrichtungen in der Region auszeichnet. Diese netzartige Struktur ist seit Bestehen der Universität zu Zwecken der Lehre aufgebaut worden und hat nach Aussage des Forschungskonzepts jetzt vor allem für Studien im Bereich der Versorgungsforschung eine zentrale Bedeutung.
Bereits im Mai hatte Prof. Mathias Schrappe, der Dekan der Uni Witten Herdecke in einem Spiegel-Interview betont, dass Witten wegen seiner dezentral organisierten und praxisorientierten Lehre ein Zukunftsmodell sei. "Auch andere Universitätskliniken werden solche Strukturen aufbauen müssen, wie sie Witten schon seit 23 Jahren hat, weil sie sich auf seltene Erkrankungen spezialisieren müssen. Ich will den Medizinischen Fakultäten an den staatlichen Unis nicht Unrecht tun" sagte er damals, "aber sie verhalten sich wie Großtanker, die auf der Alster wenden möchten. Wir sind dagegen eine schnittige Barkasse, die das besser hinkriegt. Dieser Vorteil wiegt die Nachteile auf, die wir durch unsere mangelnde Größe haben." Das umfangreiche Kooperations-Netzwerk der Universität Witten-Herdecke kann sich schon sehr bald als echte Innovation auch für die Medizinerausbildung in Deutschland erweisen. Vom Strukturwandel im Krankenhausbereich und der um sich greifenden Privatisierung sind auch Universitätskliniken betroffen, die zunehmend nur Spezialfälle behandeln. Auch an den anderen Universitätskliniken müssen die Studenten daher zunehmend an Lehrkrankenhäuser ausweichen, um normale Erkrankungen kennenzulernen. Hätte der Wissenschaftsrat seine Kritik in diesem Teil beibehalten, wären unter Umständen Reformen bei der Medizinerausbildung unmöglich gemacht worden. Deshalb wird die Vorreiterrolle der Uni Witten-Herdecke angesichts des sich abzeichnenden Strukturwandels im deutschen Gesundheitssystem hier besonders deutlich.
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