|

Elias Maya mit einer Installation und Performance auf dem Karmelenberg bei Bassenheim in der Eifel. Was verändert sich, wenn der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen, für mehr als eine Woche Abschied von der Zivilisation nimmt und sich in die Einsamkeit einer Eremitage zurückzieht, um dort über das Leben im allgemeinen und über sich selbst und sein Verhältnis zur Welt nachzudenken? von Michael Mentzel
Der Koblenzer Künstler Elias Maya hat das Experiment gewagt. Im Zusammenhang mit seinem aktuellen Kunstprojekt "Monde in die Nacht gesungen" hatte er sich als "Eremit" auf den Karmelenberg bei Bassenheim in der Eifel zurückgezogen. Denn als er begann, über sein Projekt nachzudenken, entdeckte er durch Hinweise von Freunden diesen Ort, der im für sein Vorhaben geradezu ideal erschien: "Der Berg hat mich gerufen" sagt er ganz einfach, wenn man fragt, wie es dazu kommt, dass einer plötzlich als Eremit in einer katholischen Wallfahrtskirche über den Sinn des Lebens nachdenkt. "Für mich war ziemlich schnell klar, das dieser Platz für mich in diesem Moment genau der richtige ist, denn die wichtigen Fragen des Lebens sind von jeher die gleichen und für mich war es wichtig, gerade an einem Ort, der so eine Geschichte aufweist, mich tatsächlich einmal zurückzunehmen und zu versuchen, mich ganz auf mich selbst zu besinnen."

Mond - Madonna - Eremit - Elias
Die kleine Kirche liegt etwas verborgen zwischen Bäumen auf dem Kegel eines erloschenen Vulkans. Vor rund 350 Jahren wurde sie von einer reichen Bassenheimer Familie als "Marienkapelle auf dem Karmelenberg" errichtet. Der Bassenheimer "Hexenberg" wurde zum Karmelenberg. Vorbild für den Bau an diesem Ort - so heißt es - war der Berg Karmel in Palästina, auf dem sich in der Nähe des Eliasbrunnens eine Gruppe von Kreuzfahrern niedergelassen hatte. Die ersten Brüder der Gemeinschaft lebten als Eremiten nach dem Vorbild des Propheten Elias. Sie nannten sich „Brüder der seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel". . Über dem Altar in der Mitte der Kapelle steht auf einer Mondsichel eine Madonnenstatue. Erreichbar über eine schmale und steile Treppe, entstand darüber eine kleine Eremitage, die im Laufe der Zeit immer wieder von Einsiedlern bewohnt wurde.
Dem Künstler Elias Maya, der seine Werke bereits in New York, Mailand und anderen Städten präsentiert hat, ist bei diesem Aufenthalt in der Abgeschiedenheit durchaus klargeworden, "dass es sich dabei nur um 'den Streifzug' einer Erfahrung handeln kann. Denn es war ja keine allzu lange Zeit, die ich dort in völliger Einsamkeit ohne Strom und sonstige Annehmlichkeiten verbracht habe. Aber es war auch gerade Vollmond und ich habe schon gespürt, dass dieser Ort etwas mit mir macht. Mond - Madonna - Eremit und Elias, damit war für mich die Beziehung zu meinem Thema noch einmal ganz deutlich geworden", sagt Elias Maya und verweist darauf, dass der Mond aufgrund seines 28 Tage dauernden Erdumlaufs in vielen Kulturen als weibliches Symbol gedeutet wird. "Ich sehe ihn auch als Sinnbild für das ewige Auf und Ab des Lebens. Der Mond verkörpert für mich einerseits Einsamkeit, aber auch Trost und Wiedergeburt. Und das über einen Zeitraum, der vor unserer Zeitrechnung beginnt."
In der Tat, die Vorstellung einer jungfräulich-mütterlichen Göttin als Erdmutter und Mondgöttin ist viel älter als das Christentum. Dass der Karmelenberg in einem ursprünglich keltischen Gebiet lag, davon zeugt der "Goloring", eine in der Nähe liegende Ringwall-Anlage. Ein Kulturdenkmal, das auch unter dem Namen "Eifel-Stonehenge" bekannt ist und bei dem es sich vermutlich um ein vorchristliches Heiligtum oder einen Kultplatz handelt.
Monde in die Nacht gesungen
"Monde in die Nacht gesungen", nannte Elias Maya sein Projekt, dass er - kongenial begleitet durch den Musiker und Komponisten Frank von Häfen - realisiert und am 19. August auf dem Karmelenberg zur Aufführung gebracht hat. Zwei Videoprojektionen widmeten sich auf ungewöhnliche Weise dem Thema Mond, während ein großes Altarbild mit einer "modernen Mondgöttin" den Platz der Madonna mit der Mondsichel eingenommen hatte. Die Rezitationen von Sigrid Balk - Texte von Elias Maya, Peter Bares und Nahima - wurden begleitet von dem Komponisten Frank von Häfen mit seinem Electric Wind Instrument. Zusammen mit der Saxofonistin Heike Erhardt ergab sich ein harmonischer Zusammenklang, der verstärkt wurde durch die Trommel von Rolf Servatz.
Für den Künstler Maya, den modernen "Elias", ist das zentrale Thema seiner Arbeit die Auseinandersetzung mit den Götzen des Konsums und die heutige Überbetonung materieller Werte. Sein Credo, an die Decke der Kapelle projiziert, lautet: "Fürchte den Herrn und dich selbst." Denn es gilt immer auch, so der Künstler im anschließenden Gespräch, seinen eigenen Anteil am Geschehen in der Welt zu berücksichtigen. Während der Performance brachte Elias Maya Zeichen auf einer Folie an, die an Runen aus frühgeschichtlicher Zeit erinnerten: „Diese Runen symbolisieren für mich die innere Arbeit, in den Einklang mit sich selbst zu kommen und klarer auf das zu sehen, was wirklich wichtig ist. Es ist auch die Schlichtheit der Runen; sie haben auch etwas mit der Reduktion auf das Wesentliche zu tun."
Die Aktion auf dem Karmelenberg lud die Zuschauer ein, aktiv mitzudenken und Mut zur Auseinandersetzung und zur Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit aufzubringen. Die Besucher waren am Ende der Performance sichtlich beeindruckt von dem Erlebten, was sich dann auch in den nachfolgenden Gesprächen und Diskussionen niederschlug.
 | 
Elias - Moderner Kreuzweg |

Kreuzweg
Bezogen auf die sieben Fußfälle (Kreuzweg), der die Besucher auf dem Weg zur Marienkapelle empfängt, hatte der Künstler seinen Kreuzweg auf dem Platz vor der Kirche installiert. Dabei handelte es sich um - durchaus auch provozierende - Bilder von gequälten und entrechteten Menschen, die dem Bösen der Welt hilflos ausgesetzt sind; Kreuzweg aber bedeutet für ihn, auch die eigenen Verstrickungen der Welt gegenüber anzuerkennen: "Ich hatte bei der Entwicklung der Bildmotive unter anderem Szenen aus Abu Ghraib im Irak vor Augen. Und natürlich auch dieses "Fürchte Dich vor dir selbst", denn auch heute noch ist der Mensch nicht davor gefeit, zu quälen und zu töten und im Namen der Macht elementare Menschenrechte mit Füßen zu treten," so noch einmal Elias Maya.
Kuratiert wurde das Projekt von Angelika Kallenbach, die den Bereich Kunstprojekte des Koblenzer Kulturunternehmens Garwain leitet. Möglich wurde das Projekt auch durch die Unterstützung der Gemeinde Bassenheim, sowie durch die Pfarrgemeinden Kobern-Ochtendung und Bassenheim.
|