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Konsequenzen für Waldorflehrerausbildung in Hessen. Bund der Freien Waldorfschulen zu Missbrauch und Übergriffen. Informationen für Schulen und Elternhäuser.
mm/tdz. 13.04.2010 - In Hessen hat die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Waldorfschulen erste Konsequenzen aus dem Bekanntwerden von Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfen gezogen, um in der "Ausbildung der Waldorflehrer (..)eine stärkere Sensibilisierung für die spezifischen Risiken pädagogischer Berufe" zu verankern. Die LAG und das Waldorflehrerseminar in Kassel vereinbarten eine Kooperation mit dem Hessischen Landverband des "Weissen Ring", dieses Thema in die Waldorflehrerausbildung zu implementieren.
Auch der Bund der freien Waldorfschulen hat inzwischen Empfehlungen an die ihm angeschlossenen Schulen und an die Schul-Eltern herausgegeben. In einem vom Vorstand des BDFW an die Eltern gerichteten Schreiben, das über die so genannte "Ranzenpost" verteilt wird, heißt es, Missbrauch sei ein "durch nichts zu rechtfertigender Straftatbestand und ein Verrat an dem Vertrauen, das eine sinnvolle pädagogische Begegnung von Lehrern und Schülern erst möglich mache."
Unmißverständlich wird klargestellt, dass der Bund der Waldorfschulen im Falle von Vorwürfen gegenüber Lehrkräften von Waldorfschulen "mit allen an der Aufklärung beteiligten Institutionen konstruktiv" zusammenarbeiten werde. Damit eine lückenlose Aufklärung und eine strafrechtliche Verfolgung von Missbrauchsfällen sichergestellt werde, wurde eine Kommission eingesetzt, die die betroffenen Schulen bei der Prüfung und Aufarbeitung von Verdachtsfällen unterstützen sollen. Weiter heißt es in der Mitteilung, dass in der Geschäftsstelle des Bundes auch eine telefonische Anlaufstelle eingerichtet worden sei, an die sich Eltern, Schüler und Pädagogen wenden können.
Die dem Bund angeschlossenen Schulen werden vor dem Hintergrund der Medienberichte, in denen es auch immer wieder um Reformschulen geht, aufgefordert, Einrichtungen zu schaffen, "an die sich Eltern, Mitarbeiter und Schüler bei Sorgen und Konflikten wenden können. Dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass solche Gremien nicht mit Menschen besetzt sind, die Leitungsaufgaben in der Schule wahrnehmen und daher schon durch ihre Funktion befangen sind."
Waldorfschulen haben im Gegensatz zu staatlichen oder auch anderen privaten Institutionen keine hierarchischen Strukturen. Daher sei es besonders wichtig, durch "eindeutige und transparente Verfahren deutlich zu machen, wie die Funktion der Schulaufsicht in einer selbstverwalteten Schule ersetzt wird". Jede Schule, so die Erkenntnis aus den Vorfällen der letzten Zeit, brauche "Regularien und Verfahren, um dort eingreifen und helfen zu können, wo Grenzüberschreitungen erfolgen, bzw. um zu schauen, wo real und auch potentiell Situationen auftreten, die den Einzelnen überfordern."
Nicht nur die Extremsituationen, bei denen es zu körperlichen Übergriffen käme, seien das Thema, sondern es es ginge auch um seelische Übergriffe: "Das rechte Verhältnis von Nähe und Distanz zu wahren ist ständige Anforderung im beruflichen Alltag der Pädagogen."
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