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Kurzweilig!


© da-press 2008

Celtik Folk. Peter Kerlin im Café Alte Schule

Alte Schule - old school? Wikipedia sagt zum englischen Begriff "old school": "Mittlerweile hat der Begriff auch in der Jugendsprache Einzug erhalten und bezeichnet alte Dinge, die trotzdem oder gerade in der aktuellen Zeit noch angebracht beziehungsweise im Trend sind."

Vielleicht ist das, was Peter Kerlin im Cafe Alte Schule in Schloss Hamborn bot, nicht im Trend. Vorausgesetzt, wir verstehen unter Trend den Massengeschmack eines durch Pop-Müll überfütterten und gelangweilten Publikums. Diesem Publikum aber, das den Weg in das Schloss Hamborner Café gefunden hatte, wurde ein wunderbarer Konzertabend geboten, der mit einem klassischen und hohen Qualitätsanspruch einherging, der alles andere als konservativ und langweilig war. Denn bei diesem Konzertabend mit Peter Kerlin, dem Goslarer "Iren" war zu spüren, dass Entertainment und gediegenes handwerkliches Können sich nicht ausschließen.

Auf dem Programm: Celtic Folk - Songs and tunes, Balladen, Instrumentalstücke und Interpretationen irischer Lieder.

Ein Mensch allein mit einer Gitarre und einer irischen Bouzouki bezaubert ein Publikum, das sichtlich Freude hat an einem Künstler, der das auch meint, was er da zu Gehör bringt. Ein wunderbares Publikum, das Zuhören nicht als durch das Eintrittsgeld bedingte Pflicht begriff, sondern als aktive Teilnahme eines künstlerischen Gesamtprozesses. Und das nicht nur da, wo es zum Mitsingen aufgefordert wurde und dieser Aufforderung wie selbstverständlich nachkam. Dem Künstler war die Freude über dieses Publikum anzumerken. Insgesamt, Kurzweile wäre vielleicht eine old-school-Bezeichnung für so eine Performance, womit wir - mit dem Begriff performance - wieder in der Gegenwart angekommen sind.


© da-press 2008

Überwiegend eigene Stücke und Lieder sind es, die Peter Kerlin spielt und singt. Er singt englisch und seine Lieder handeln von Menschen aus seiner näheren Umgebung, seiner Herkunft und natürlich von seinen Besuchen in Irland, seinem ersten Besuch in einem Pub und immer wieder von den Dingen des Lebens, die fast alle schon einmal irgendwie erlebt haben. Obwohl die meisten der Gäste, es waren ca. sechzig an der Zahl, des Englischen durchaus mächtig waren, wurde durch die witzigen Überleitungen manchem sicher das Verständnis erleichtert. Dass "Fiddlers Green" für einen Iren das höchste im Leben zu Erreichende, das Nirvana, das Paradies oder den absoluten Höhepunkt bedeutet, war bisher vielleicht nicht jedem geläufig, obwohl es sehr viele irische Lieder gerade mit diesem Thema gibt.

Peter Kerlin spielt seine Instrumentalstücke auf einer short-neck irish bouzouki, einer Oktavmandoline, die etwas größer als eine Mandoline ist und eine Oktave tiefer gestimmt ist. Filigrane Läufe und Melodiebögen wurden mit perfekter Lockerheit dargeboten, die Aufmerksamkeit einiger Musiker im Publikum ließ darauf schließen, dass hier wirklich ein Profi am Werk war. Und ein Profi ist der Musiker, der 2007 sein 30jähriges Bühnenjubiläum feierte, auf jeden Fall. Etliche CDs hat er schon produziert, auf die er in gekonnter und amüsanter Weise immer mal wieder hinwies.

Köstlich der Song von dem Zahnarzt, der einem Krokodil solange die Zähne herauszog, bis das Krokodil die Nase voll hatte und noch ein letztes Mal kräftig zubiss; wobei der Zahnarzt leider das Zeitliche segnete, was nach Ansicht des Krokodils nicht weiter tragisch war. Am Ende dieses Folk-Abends gab es noch zwei Zugaben, bis Peter Kerlin dann mit einem "unplugged" Gang durch das Publikum dieses wirklich hervorragende Konzert beendete. Gedankt wurde ihm mit einem großen Applaus und der Hoffnung, dass es nicht das letzte Konzert im Cafe Alte Schule sein möge.

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