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Deutscher Krebskongress

Komplementärmedizin in der Onkologie

von Regina Reinsperger

Eine gut besuchte Veranstaltung zur Komplementärmedizin in der Onkologie gab es im Rahmen des 29. Deutschen Krebskongresses, der Ende Februar in Berlin stattfand.

Unter Komplementärmedizin ist hier eine begleitende und ergänzende Behandlung zur schulmedizinischen Therapie zu verstehen, im Gegensatz zu einer Alternativ-Therapie im Sinne von "entweder - oder".

Den Onkologen ist seit langem bekannt, dass etwa 80% aller Krebspatienten zusätzlich zur "Schulmedizin" komplementäre Verfahren anwenden, oft ohne ihren behandelnden Arzt davon zu unterrichten. Aus Sicht der Patienten sei die Hinwendung zu begleitenden Therapieverfahren nachzuvollziehen, so Dr. Hübner vom Tumorzentrum Frankfurt/Main. Die Patienten hätten den Wunsch nach Heilung, nach weniger Nebenwirkungen, nach Stärkung der körpereigenen Kräfte und auch das Bedürfnis, selbst etwas zu tun. Diese Wünsche müsse man respektieren. Professor Jungi aus Wittenbach/Schweiz schloss sich dieser Meinung an. In der Schweiz ist die Komplementärmedizin nach einem Volksentscheid bereits fester Bestandteil der Onkologie. Die deutsche Krebsgesellschaft (DKG) erarbeitet zur Zeit eine „Leitlinie Komplementärmedizin".

Wie lässt sich dieses Umdenken erklären? Denn bisher hatten viele Ärzte die meist nicht auf Wirksamkeit geprüften Komplementärverfahren als Unfug abgetan und sich Diskussionen darüber verweigert.

In den letzten 10 Jahren fand eine "molekularbiologische Wissensexplosion" statt, die Wissenschaftler arbeiten unter anderem an der Entschlüsselung von Tumorgenomen, an den biologischen Klassifizierungen eines Tumors und seinen Wachstumsbedingungen.

Im Zuge dieser Forschungen wurde entdeckt, dass viele Phytotherapeutika (pflanzliche Heilmittel) und Antioxidantien (z.B. Vitamine) stoffwechselaktiv sind und den Effekt von tumorwirksamen Medikamenten verstärken oder vermindern können. Beispielsweise verschlechtere die Einnahme von Vitaminen begleitend zu einer Chemotherapie oft die Prognose von Patientinnen mit Brustkrebs bestimmter Histologie, berichtete Prof. Beckmann, Direktor der Universitätsfrauenklinik Erlangen.

Ebenso sind das Immunsystem stimulierende Medikamente bei hämatologischen Krebsarten wie Leukämien und Lymphomen kontraindiziert, da sie die vermehrte und schnellere Reproduktion der Tumorzellen begünstigen und dadurch lebensverkürzend wirken können.

Es ist deshalb notwendig, dass auch "normale" Onkologen sich über die umfangreichen Angebote der Komplementärmedizin kundig machen, um ihre Patienten sachgerecht beraten zu können, zumal auch auf dem Gebiet der Komplementärmedizin massive wirtschaftliche Interessen von Firmen am Werk sind und der Patient durch Labor- und Medikamenten-Kosten unter Umständen sehr schnell an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit gebracht werden kann.

Ein weiteres wichtiges Thema des Kongresses war, dass durch die Erfolge in der Krebstherapie in Bezug auf das Langzeitüberleben vieler Patienten der Bedarf an medizinischer Nachsorge, psychoonkologischer Betreuung und Rehabilitation in Zukunft deutlich zunehmen werde. Etwa 20-30% dieser Patienten leide unter somatischen Beeinträchtigungen, die die Primärtherapie verursacht habe, so Professor Fossa von der Universitätsklinik Oslo. Wie die optimale Nachsorge aussehe, müsse aber auch in Zeiten knapper Ressourcen von Fall zu Fall individuell entschieden werden, forderte Kongresspräsident Professor Schmiegel.

Fest steht, dass Ärzte und Patienten im Zuge der veränderten Bedingungen bei der Krebstherapie öfter und mehr miteinander reden als das bisher der Fall war. Auch dies kann darauf hindeuten, dass die Anliegen der Patienten in Bezug auf komplementärmedizinische Verfahren nicht auf taube Ohren stoßen.

Auch darf man gespannt sein, was als "Leitlinie Komplementärmedizin" erarbeitet wird und ob und wie in dieser „Leitlinie" die anthroposophische Misteltherapie beurteilt werden wird.

 

 

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