|
"Leerformeln" der Verantwortungsträger von Max Michels von den Beatagenten
Ein Klaus Naumann schrieb Margot Käßmann einen Brief. Die SZ [Link s.u.] druckt ihn ab. Antwort so heißt es, habe er keine bekommen. Ich hätte ihm auch nicht geantwortet. Klaus Naumann ist ein pensionierter General. Bis 1999 war er Vorsitzender des Nato-Militärausschusses.
Er fragt Frau Käßmann: "Wie wollen Sie denn einen gewaltbereiten Gegner, der keinerlei Bindung an Recht oder unsere sittlichen Normen kennt, zu anderen Formen der Konfliktlösung überreden, wenn der noch nicht einmal zum Gespräch bereit ist? Auch Ihre Forderung, gegen Krieg und Gewalt aufzubegehren, ist leider nicht mehr als eine wohlklingende, aber an der Wirklichkeit Afghanistans vorbeigehende leere Formel."
Nun ja, was Leerformeln angeht, so sind allerdings Fachleute für "unsere sittliche Normen", Politiker und Generäle - auch wenn sie pensioniert sind - nie besonders verlegen um Argumente, einen Krieg zu begründen.
Und so isser dann eben, der Krieg, lieber Herr Naumann. Ein Soldat macht überall auf der Welt sein Geschäft. Er muss nur damit rechnen, dass manche dieses Geschäft als - sagen wir einmal anrüchig - bezeichnet. Denn so ein "Luftschlag" wie der von Kundus ist ja schon eine reichlich perverse Angelegenheit. Sie werfen der Bischöfin vor, dass sie keine Alternativen nenne. Worin aber liegen IHRE Alternativen? Sehr gern schwafeln Vertreter Ihrer Zunft ja auch davon, dass der Krieg die "Hölle" sei, "ein Übel"; und Sie sagen: "... noch habe ich je geglaubt, dass Krieg einen Frieden schaffen kann, der nicht der Ruhe der Friedhöfe gleicht."
Sie vermissen die Trostworte der Bischöfin für die in Afghanistan kämpfenden Soldaten. Was Sie da sagen, sind aber - wie ich finde - ziemlich makabre "Trostworte" für Ihre Truppe, die den "vom Deutschen Bundestag gegebenen Auftrag" ausführen. Ihre Alternative? Am Ende des Einsatzes - so er ausgeht, wie Sie es erhoffen - wird in Afghanistan Friedhofsruhe herrschen? Käßmanns Wort von der "Phantasie des Friedens" aber nennen SIE "blumige Worte".
Mit Ihren Spielzeugen, Herr Naumann, den phantasievollen Produkten einer auf Gewinn ausgerichteten Rüstungsindustrie, die Tod und Vernichtung über die Menschen bringen und die mit ihrem Drohpotential permanent die Würde jeden Einzelnen antastet, reden Sie einer Phantasie des Krieges das Wort, deren Realität in fast 100 Prozent aller Fälle in der Hölle oder - für Nicht-Katholiken oder Atheisten unter uns - auf dem Friedhof sichtbar wird, wie sie selbst bemerken.
Sehenden Auges aber in die "Hölle" zu wandern, das scheint mir die wahre Unvernunft, der wahre Irrsinn zu sein und ich frage mich sehr lange, wann Menschen ihrer Profession, ob segnende Miltitärpfarrer oder stolze Generäle und bombenschmeißende Oberste irgendwann ihre Augen öffnen und wirklich sehen, wie es um "unsere sittliche Norm" bestellt ist. Um vielleicht zu merken, dass es genug ist.
Und noch etwas: Sie reden von der "Verantwortung" der "obersten Soldaten der Nato" - damit meinen Sie sich ja auch - "junge Menschen in einen lebensgefährlichen Einsatz auf schwankender rechtlicher Grundlage zu schicken, in dem sie töten müssen."
Sie sprechen von einer "schwankenden rechtlichen Grundlage"? das haißt doch nichts anderes, als dass die Verantwortungsträger Ihrer Entscheidung noch nicht einmal sicher sind, dass der militärische Einsatz einer schwankenden und unsicheren Haltung entspringt, und dass sie mit einer solchen Haltung ihrem "Gegner" die von Ihnen so genannte "sittliche Norm" aufzwingen wollen?
Angesichts Ihrer wolkigen Ausführungen und Ihrer "christlichen" Trostworte möchten andere vielleicht kotzen, mir ist mein Teppich zu schade. Ich möchte manchmal nur noch weinen.
Der Brief von Ex-General Naumann in der Süddeutschen Zeitung
|
Seite 1 von 1 1
Makabre Trostworte von Klaus Naumann oder staatstragende Verantwortung?