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Zum Tod von Dr. Johannes W. Schneider

07.11.2010

Am Vormittag des 26. Oktober 2010 ist der Pädagoge, Psychologe und Vortragsredner Dr. Johannes W. Schneider gestorben. Er war viele Jahre Mitglied des Arbeitskollegiums der Anthroposophischen Gesellschaft NRW. Anna-Katharina Dehmelt hat lange mit ihm zusammengearbeitet. Ein Nachruf:

Nach einem Krankenhausaufenthalt im Mai hat er die letzten Lebensmonate auf der Pflegestation des Hermann-Keiner-Hauses in Dortmund verbringen müssen. Aber bald ging es ihm besser und er machte sich wieder an die Arbeit. Zwei, drei Bücher wollte er noch schreiben, mit der Hand und auf den Knien.

Geboren am 26. März 1928 wurde er, promoviert mit einer Dissertation über Waldorfpädagogik, für zehn Jahre Waldorflehrer am Engelberg und für weitere fünf Jahre hauptberuflicher Vortragsredner der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland. 1970 zog er dann für seine zweite Lebenshälfte nach Dortmund. Dort wurde er Dozent am Kindergarten- und am Altenpflegeseminar, und er hielt unzählige Vorträge, weltweit, begleitet und in den letzten Jahren abgelöst von Aufsätzen und Büchern.

Der ganz junge und der alte Mensch, die Grenzen von Geburt und Tod, zur Engelwelt und die zwischen Gut und Böse, das waren seine Themen, und er gab ihnen eine mit spiritueller Tiefe verbundene Seelennähe, die seine Zuhörer und Leser in ihrer Lebenssituation ganz unmittelbar erreichte. Die meisten Menschen, die in den letzten Jahrzehnten der Anthroposophie begegnet sind, dürften, zumindest in Nordrhein-Westfalen, durch die Hände oder besser, durch die Worte von Johannes W. Schneider gegangen sein.

Mit seinen alljährlich im Januar vorgetragenen Jahresrückblicken hat er sehr viele Menschen erreicht. Südost- und Ostasien spielte dabei oft eine hervorgehobene Rolle – das war ein Erdenraum, in dem er sich wohlfühlte, und wenn er von dort erzählte, konnte man eine kindliche Freude in ihm mitempfinden. Hatte man das Glück, mit ihm in einem Gremium zu sitzen – das war wohl die einem Einsiedler wie ihm nächstliegende Begegnungsform - so wurde man einer Seelenhaltung gewahr, die das europäische erd- und faktenzentrierte Bewusstsein mit einer weit offenen Umkreisorientierung voller geistdurchwobener Zwischenräume verband.

Die für die letzte Lebenszeit geplanten Bücher hat er zu Ende bringen können und sie werden nun posthum erscheinen. Das letzte noch zu Lebzeiten von ihm erschienene Büchelchen „Unser Leben – unser Schicksal" enthält seine Gedanken zum Tod und manch Autobiographisches. Im Zugehen auf den Tod wusste er sich von einer Welt des Lichtes und der Liebe erwartet. So ist er auch gestorben: kampflos, harmonisch, selbstverständlich.


Artikel von Johannes W. Schneider bei TdZ

 

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