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Mit einem offenen Brief haben sich viele atomkritische Organisationen an die Delegierten des Sonderparteitags von Bündnis90/Die Grünen mit der Forderung gewandt, den von der Bundesregierung geplanten Atomausstiegs-Fahrplan abzulehnen.
Land unter im US-Bundesstaat Nebraska. Betroffen ist auch ein Atomkraftwerk. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW beklagt mangelnde Information der Öffentlichkeit.
mm/tdz. - Das kommt mir bekannt vor, mag sich mancher denken, wenn er die Presseinformation der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW liest, in der über das Hochwasser des Missouri-River im US-Bundesstaat Nebraska berichtet wird. An eben diesem Missouri-River befindet sich das Atomkraftwerk Fort Calhoun. Laut IPPNW sei es möglich, "dass die regulären Kühlsysteme in Fort Calhoun längst nicht mehr funktionieren und die Kühlung der Brennelemente über Notfallmaßnahmen erfolgt." Der Reaktor sei allerdings seit April - für Revisionsarbeiten - abgeschaltet und durch relativ geringe Nachzerfallswärme sei es "vorstellbar, dass der Unfall glimpflich verläuft."
Die Anlage ist inzwischen vom Hochwasser umspült, und so könne es sein, so der Atomexperte Henrik Paulitz vom IPPNW, "dass das extreme Hochwasser aufgrund von Undichtigkeiten längst die "Kellerräume" des Atommeilers geflutet hat, in denen sich empfindliche Betriebs- und Sicherheitssysteme befinden." Paulitz untermauert diese Vermutung auch mit der Aussage eines ehemaligen Siemens-Ingenieurs: "... wonach bei weitaus weniger dramatischen Hochwasserständen des Rhein regelmäßig Wasser in das Reaktorgebäude von Biblis eingedrungen ist".
Es stelle sich - unabhängig von der Kühlung der Brennelemente - also auch die Frage, "ob es aufgrund von zu unterstellenden Undichtigkeiten Kontakt zwischen kontaminiertem Kühlwasser und dem Flusswasser gekommen ist oder noch kommen wird". Denn durch weitere Pegelanstiege seien weitere Dammbrüche möglich, was eine Eskalation der Lage bedeuten könnte. Es könne nicht ausgeschlossen werden, "dass es zu radioaktiven Freisetzungen in den Missouri kommt."
Wie aber ist es um die Information der Öffentlichkeit über diese Vorfälle bestellt? Paulitz kritisiert: "Es ist immer wieder das gleiche Phänomen, dass Industrie und Behörden alles tun, um derartige Vorfälle zu vertuschen und herunterzuspielen".
Die IPPNW wirft sowohl den US-amerikanischen Behörden als auch der deutschen Bundesregierung vor, "selbst zwei Wochen nach Beginn des Vorfalls" die Öffentlichkeit nicht angemessen zu informieren: "Staaten und Atomindustrie sind viel zu sehr ineinander verstrickt, so dass allein deswegen schon der erforderliche Schutz der Bevölkerung nicht in hinreichendem Maße gewährleistet ist. Der Umstand, dass Atomkraftwerke weltweit durch Hochwasserstände von Flüssen jederzeit bedroht sind, belegt die Unbeherrschbarkeit dieser Technik. Wie viele Unfälle und Beinahe-Unfälle braucht man eigentlich noch, um endlich die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen?"
In Anbetracht der Diskussion um die Atomkraft im Allgemeinen und speziell um die Lage in den japanischen Atomreaktoren in Fukushima sollte man meinen, dass derlei Fragen obsolet seien und Transparenz und die lückenlose Information oberste Priorität haben sollten. Der Gedanke, dass die Gewöhnung an Schreckensnachrichten - wieder einmal - über die Vernunft siegt, scheint auch bei Vorfällen wie diesem mehr als berechtigt.
Infos zu Fukushima und den aktuellen Diskussionen über Atomkraft zeigt die aktualisierte Linkliste
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