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 | Volker Kirchner, ein Sohn Hermann Kirchners (links) und Rudolf Mrazek vor dem Bild "Domviertel" |

Ausstellung im Altenwerk Schloss Hamborn mit Werken von Hermann Kirchner
mm/tdz. 15.06.2010 - Die im Altenwerk Schloss Hamborn ausgestellten Werke des 1899 geborenen Hermann Kirchner beinhalten einen repräsentativen Teil seines Schaffens und zeigen nicht nur sein großes Interesse für die Natur, Architektur, Mythologie und Christologie, sondern auch seine humoristische Seite, die in den zahlreichen kleinen Karikaturen ihren Ausdruck findet. Kirchners künstlerisches Wirken war durchdrungen von einem tiefen sozialen Impuls, der zu seinen Lebzeiten in der heilpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erlebt werden konnte. Die Frage nach der Bedeutung der Kunst war für Kirchner die zentrale Frage nach dem Wesen des Menschen und seiner Existenz: "Während eine frühe Menschheit in ihren Werken aus der geistigen Sprache ihrer Zeit schuf, so muss in unserem Zeitenwandel das, was die Zeit erfordert, von der einzelnen Persönlichkeit durch eigene Entwicklung errungen werden. Nicht das mitgebrachte Talent, sondern der geistige Hintergrund des Schaffenden wird für die Zukunft maßgebend sein." (1970)
1899 in Breslau geboren und im Schatten des Domviertels aufgewachsen, hatte Kirchner früh Konakt mit zeitgenössischen Künstlern und schon als Zwölfjähriger durfte er durch die Fürsprache des damaligen Direktors der Breslauer Kunstakademie an Malkursen teilnehmen. Nachdem er Rudolf Steiner und der Anthroposophie begegnet war, widmete er sein Leben fortan der Heilpädagogik, arbeitete als Erzieher und Kunstlehrer zuerst in Pilgramshain bei Breslau, nach dem Krieg ab 1946 am Michaelshof in Hepsisau. Er malte aber auch in jeder freien Minute in seinem stets offenen Atelier und konnte hier die therapeutischen Wirkungen auf die zum Teil behinderten jungen Menschen sehr direkt beobachten und in seine praktische Arbeit als Kunsterzieher einfließen lassen.
Kurz vor seinem Tod im Jahre 1978 wies er in seinen letzten Worten an seine "Malerfreunde" noch einmal darauf hin, wie wichtig ihm die Kunst und die Pädagogik als Element der Gemeinschaftsbildung geworden waren: "Während meiner Krankheit habe ich nicht dahingedämmert, sondern immer wieder wurde mir klar: „Polarität und Steigerung", alles andere hat keine Zukunft auch in der Kunst. Unter diesem Begriff kann man alles verstehen. Kann man auch verstehen die Gegensätzlichkeit innerhalb der Gemeinschaft, die eben auch da sein müssen, damit Kräfte entwickelt werden, die zu einem Höheren führen."
Einige der Gäste an diesem Samstagmorgen waren persönlich mit Hermann Kirchner bekannt und freuten sich daher um so mehr über die einführenden Worte des Kirchner-Schülers Rudolf Mrazek, der anlässlich dieser Ausstellung sehr lebendig und anschaulich zum Leben Kirchners sprach. In seinen Worten machte er deutlich, dass es sich bei dem Werk Kirchners zwar zum Teil um ein auch als museal zu bezeichnendes Werk handele, dass aber andererseits gerade die therapeutischen Möglichkeiten, die im dynamischen Formenzeichnen angelegt seien, einen sehr aktuellen Bezug zur Diskussion um zeitgemäße Therapien in der Heilpädagogik aufweise. Und Mrazek schilderte ein Gespräch mit einem Mediziner, der durch das dynamische Formenzeichnen - durch die Elemente Rhytmus und Symmetrie in Verbindung mit Denken Fühlen und Wollen - neue Möglichkeiten bei der Demenz-Propylaxe in Betracht gezogen hätte: "Sie müssen kommen und das mit uns machen!".
Rudolf Mrazek, der im Sinne Kirchners dessen dynamisches Formenzeichnen fortführt, gelang es im Verlauf seiner Ansprache auf sehr humorvolle Weise, dem Künstler und Menschen Hermann Kirchner und seinem Werk die Aktualität zu verleihen, die notwendig ist, um ein solches Werk nicht dem Vergessen zu überantworten, sondern das dahinterliegende Zukünftige weiterhin sichtbar zu machen.
Die Ausstellung im Altenwerk Schloss Hamborn kann noch bis zum 29.07.2010 besucht werden. Sie ist täglich von 8:00 – 18:00 Uhr geöffnet.
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