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Stuttgart, Gorleben, Grundeinkommen. Was bewegt die Menschen in diesem Jahr? Einige- nicht so ernste - Gedanken zu ernsten Themen. von Michael Mentzel
Heißer Herbst? Bus-Service nach Gorleben? Mit der Bahn nach Stuttgart? Party und Demo vor der Grundeinkommensanhörung oder Public-Viewing bei der öffentlichen Beratung der Petition für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens von Susanne Wiest? Für die jeweiligen Veranstalter ist alles natürlich nur eine Frage der Organisation. Aber Otto und Ottilie Normaldemonstrantin fragt sich natürlich: Wohin? Viele werden hin und hergerissen sein, weil sie alle Initiativen unterstützen und natürlich auch bei allen Aktionen mitwirken wollen. Da bleibt oft nichts anderes übrig, als die Entscheidung bis zum letzten Moment hinauszuzögern, um dann kurzfristig "zuzuschlagen", was hier natürlich nur sinnbildlich gemeint ist.
Immer wieder ist von einem "heißen Herbst" die Rede. Gleich ob es um Stuttgart, Gorleben oder die Frage des Grundeinkommens geht. Wir von "das Letzte" wollen es jetzt aber mal ganz genau wissen, wer eigentlich dafür verantwortlich ist, das aus unserer schönen Bundesrepublik seit einiger Zeit so eine Art Volksrepublik geworden ist. Auf nichts kann man sich mehr verlassen, die Bestimmer rennen hin und her wie aufgescheuchte Hühner und schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, dabei wissen alle, dass es bei Monopoly gar keinen Schwarzen Peter gibt. Frau Merkel will es noch besser machen als der Bundespräsident und bemüht sogar das Christentum, um zu zeigen, was alles zu Deutschland gehört. Die Kommentare dazu sind entsprechend.
Stuttgart
Aber schaun wir mal nach Stuttgart. Bei Stuttgart21 wissen wir natürlich dank Aufklärung durch Herrn Mappus und seine Kollegen, um was es eigentlich geht. Der Untergang ist programmiert, wenn dieser Bahnhof nicht gebaut wird, es wäre die Katastrophe schlechthin; es fände praktisch keine Zukunft mehr statt. Die Verweigerer sind ja bekannt: Es sind die "sowieso-immer-dagegen-Seier, Frauen, Kinder, Rentner, CDU-Mitglieder, Stuttgarter Bürger. Kurz, alle die als Zukunftsverweigerer seit Jahr und Tag ihr Unwesen treiben, was die Stuttgarter Ordnungshüter jüngst dazu veranlasst hat, die Ordnung ganz besonders zu hüten, schweres Geschütz aufzufahren und mal so ordentlich Wasser zu lassen.Was die Befürworter von Stuttgart 21 allerdings dazu bewogen hat, bei einer Pro-Demo "we shall overcome" zu schmettern, dürfte wohl deren Geheimnis bleiben und wäre mit "peinlich" sicherlich nur unzureichend beschrieben.
Gorleben
Wenn wir schon beim Wasser sind, bei den Aktionen, die für Gorleben geplant sind, ist schon mal völlig klar, wer dahinter steckt: Es ist der brave Bioladenkunde, dem außer der Villa, der Yacht und seiner Frau nichts mehr fehlt außer seinem Demo-Kick. Der, wenn die Kinder im Bett sind, seinen Atomkraft-Nein-Danke Button streichelt und sich in seinen Träumen schon im Wendland am Bahngleis beim Schottern zusieht, insgeheim in der Auto-Bild schon einmal nach den Erlösen ausschaut, die er für seinen SUV erzielen könnte, wenn die Grünen die Macht im Land übernehmen und die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen auf 30 km/h gesenkt haben werden. All diese Leute werden am 6. November nach Gorleben fahren und dort ein bisschen spazierengehen, hoffentlich regnet es nicht an diesem Tag. Nicht bekannt ist, ob die Atomlobby bei der zu erwartenden Demo zum Gegenschlag ausholt und eine Coverversion von "what have they done to the rain?" zum besten gibt. Zuzutrauen wäre es ihr.
Grundeinkommen
Und wie sieht es aus beim Grundeinkommensfan? Man kennt sie ja, die Freaks, Künstler, Designer, Videomacher und hier und da ein - wie schreibt man Miljadär? - Unternehmer. Sie alle wollen nur eines: ihre faule Haut weiterhin zum Markt tragen, sich auf dieselbe legen und in Zukunft ausschließlich dem Müßiggang frönen. So überzeugt sind sie von ihrer Idee, dass sie schon feiern, bevor sie das Grundeinkommen überhaupt haben. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll sich am Vorabend der Anhörung im Petitionsausschuss - das ist ein Sonntag - auch die Talkqueen der ARD, Anne Will, mit dem Thema beschäftigen. Als Gäste werden - ebenfalls natürlich unbestätigt - die Herren Köppel, Henkel, Missfelder und Westerwelle erwartet. Susanne Wiest oder Götz Werner werden natürlich nicht dabei sein können. Es wäre ja noch schöner, wenn bei Anne Will mal Leute zu Wort kämen, die von einer Sache etwas verstehen. Aber den von mir selbst erfundenen Gerüchten nach wird ein gewisser Franz Müntefering (wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!) in einem Einspielfilmchen zu Wort kommen.
Der Refräng?
Und der Refräng von diesem Lied? Da sitzt die Regierung auf ihrem Regierungssitz und grübelt: Mit all diesen Menschen ist natürlich kein Staat zu machen. Jedenfalls keiner wie der, den wir haben. Und deshalb, liebe VolksvertreterInnen, wird es Zeit, dass sich etwas ändert. Und Ihr und wir alle werden sehen, was diese letzten Herbsttage uns bringen werden. Die Kälte, die in den letzten Monaten und Wochen trotz Sommerwetter - durch Westerwelle, Thilo Sarrazin und Angela Merkel mit ihrem Ausstiegsausstieg und anderes - in die Herzen der Menschen gekrochen kam und die Welt derzeit verrückter als je zuvor erscheinen lässt, hat auch dazu geführt, dass Ihr Euch etwas etwas wärmer anziehen müsst.
Der kommende November ist ein dunkler Monat, aber er lässt Raum zum Nachdenken, gibt Zeit für Fragen. Als der heilige Martin in einer bitterkalten Nacht seinen Mantel mit dem Bettler teilte, war auch November. Was zurzeit in Deutschland geschieht, wird dieses Land dauerhaft verändern.
6. November in Gorleben: Atomkraft? Nein Danke! 6. 7. und 8. November Berlin: Demo, Fest und Anhörung Fest zum BGE Und zurzeit läuft Stuttgart: Oben bleiben!
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Wohin am Wochenende?