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Grundeinkommen, ein "echter Knaller"?

In der Tat, es wird Zeit für das Grundeinkommen. Zu lange haben wir auf Wachstum und Vollbeschäftigung gestarrt. Zu deutlich ist der Verlust der Würde bei vielen Menschen zu bemerken, die, aus welchen Gründen auch immer, auf staatliche Hilfen angewiesen sind.
Wenn man sich einmal umsieht, wer sich mit diesem Thema beschäftigt, ist festzustellen, dass die unterschiedlichsten politschen Richtungen sich in dieser Frage einig sind. Zuletzt hatten wir eine derartige "Allianz" zu Zeiten der Friedensbewegung in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. So lange ist das schon her? Die Gemeinsamkeiten waren erschöpft, als der "Frieden ausgebrochen" war. Tschernobyl zeigte noch einmal, dass wir "Eine Welt" sind, aber die Ära Kohl hatte sich bereits so sehr in die Herzen der Menschen geschlichen, als dass hier ein echter Aufwachprozess möglich gewesen wäre.
Der kalte Krieg ist vorbei, wir befinden uns in einer Phase der inneren Umbrüche. Eine neue Spiritualität und ein neuer Umgang mit gesellschaftlichen Fragen beginnt sich zu entwickeln. Die verschiedenen Ausprägungen der Globalisierung werden deutlicher sichtbar. Einerseits ungebremster Kapitalismus, Ellenbogenmentalität, andererseits (weitgehend) ungehemmter Zugang zu Medien und zur Informationsgesellschaft. Die Entwicklung des Internet hat hier einen wesentlichen Anteil. Niemandem ist der Zugang zu Informationen verwehrt.
Der durch die "digitale Revolution" hervorgerufene Verlust von sinnerfüllter Arbeit beginnt sich zu zeigen. Für immer mehr Produkte wird immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt. Diese Entwicklung wird weitergehen. Die menschliche Arbeitskraft wird immer mehr in den Dienstleistungsbereich verlagert, um dort Maschinen und Einrichtungen in Gang zu halten und die "verlorene Arbeitszeit", also das, was wir heute Freizeit nennen, mit "Freizeitangeboten" zu füllen. Auch hier werden uns die Auswirkungen vor Augen geführt. Es genügt ein Abend mit Intensiv-Nutzung der Fernbedienung vor dem Fernseher.
Das Beruhigende daran ist, dass wir um diese Problematik fast alle wissen, das Beunruhigende, dass wir dagegen machtlos zu sein scheinen. Denn der Umstand, dass wir Brot brauchen, um leben zu können, zwingt uns tagtäglich, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht tun wollen und von deren Nutzlosigkeit wir überzeugt sind. Dieser Umstand hindert uns all zu oft daran, uns mit anderen als wirtschaftlichen Überlegungen zu beschäftigen. Ein anderer Umgang mit dem Begriff Arbeit und Einkommen ist also dringend vonnöten.
Hier würde das Grundeinkommen Abhilfe schaffen. Wobei der Zusatz "bedingungslos" der wesentlichste Aspekt wäre. Denn darauf kommt es an, wenn es ein wirkliches Einkommen werden soll. Ich will mich hier nicht auf Rechenbeispiele einlassen, das können andere viel besser. Ich möchte auf den anfangs geäusserten Gedanken eines neuen Umgangs mit sozialen Fragen zurückkommen. Denn parallel zu einem Grundeinkommen müssen und werden sich auch die Fragen des sozialen Miteinanders neu stellen. "Gutes" zu tun ist plötzlich nicht mehr eine Frage der Finanzierbarkeit. Die Motivation, zu helfen, sich dem Anderen zur Verfügung zu stellen, ihm in Notlagen Hilfe zu geben, wenn es seine eigenen Kräfte übersteigt, kann sich unter freien Bedingungen sicherlich ganz anders entfalten. Diese sozialen Fragen müssen gleichzeitig mit der wirtschaftlichen Frage bewegt werden und zwar unabhängig von bestimmten Weltanschauungen. Und diejenigen müssen auf Dauer zusammenkommen, die in der Bearbeitung dieser Fragen eine Berechtigung sehen. Denn es bringt nach meiner Auffassung nichts, einfach nur die Steuergesetze zu ändern und alles Geld in einen Topf zu werfen, um es dann gleichmäßig wieder unter die Menschen zu verteilen. Die Reduktion auf eine andere Verteilung des Geldes würde zu einem Zustand führen, den ich mit dem der "Wiedervereinigung" vergleichen möchte. Nämlich zu dem Versäumnis, das "zusammen wachsen zu lassen, was zusammen gehört". Die menschlichen Begegnungen, das soziale Miteinander sind dabei, von niemandem gewollt, auf der Strecke geblieben. Aus "Brüdern und Schwestern" wurden "Ossis". Und wenn man die jeweiligen Diskussionen um das Miteinander betrachtet, ist das auch auf vielen Gebieten heute noch so.
Die "Ver-Teilung" ist also die eine Seite der - zugegeben glänzend erscheinenden Medaille - die andere ist das "Teilen". Wenn wir das "Teilen" auch noch lernen und an diesen Fragen genauso intensiv und mit Freude arbeiten, wie an der wirtschaftlichen Frage des bedingungslosen Grundeinkommens, wird das ein "echter Knaller"!

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