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Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist derzeit in aller Munde. Dieses Jahr wird die Schweiz über seine Einführung abstimmen. Der Unternehmer Daniel Häni und der Autor Philip Kovce haben ein Buch zur Abstimmung geschrieben, das die Leser erleben lässt, was die Idee verspricht.
Von Sibylle und Michael Birkenmeier

Schon der listige Titel "Was fehlt, wenn alles da ist?" nimmt vorweg, was in dem ungewöhnlichen Buch von Daniel Häni und Philip Kovce über das bedingungslose Grundeinkommen der Tarif ist. Es werden Fragen gestellt, die den mehrheitstauglichen Denkmustern bezüglich Arbeit und Einkommen den Boden unter den Füßen wegziehen: Warum "dankbar" sein, dass ich eine Arbeit habe?

Widersprüche, die wir bereits als logische Zusammenhänge verinnerlicht haben, nehmen die Autoren langsam auseinander, treiben sie auf die Spitze und fassen das Fazit jeweils in einen prägnanten Satz, der auf ungewohnte Weise einfach wohltut – Klarheit in Sumpfgebieten: "Es ist befreiend, darauf zu verzichten, anderen die Freiheit abzusprechen." Oder: "Die Welt diktiert mir nicht mehr, was ich zu tun habe, sondern fragt mich, was ich tun will. Das ist anstrengend – und sinnvoll." Sätze, die man sich am liebsten ins Notizbuch schreiben möchte.

Das Wohltuende an diesem Buche ist, dass die Autoren in aller Ruhe und Gelassenheit ihre Gedanken kreisen lassen. Es geht ihnen nicht darum, ihre Idee (und sich selbst) unangreifbar zu machen und mit wasserdichten Argumenten für die Existenz dieser Idee zu kämpfen. Im Gegenteil: Sie wagen es, dort zu verweilen, wo sie Lust haben, und andere Fragen offen zu lassen.

Der Gedanke – wir haben das Recht, nicht um unsere Existenz kämpfen zu müssen – prägt hier auch das Verfahren: Das Buch kommt ohne argumentativen Druck aus. Es fordert Freiheit – und gibt sie den Lesern. Und der Idee des Grundeinkommens gibt es ein bedingungsloses Recht auf Existenz – auf weite Sicht. Das Grundeinkommen muss nicht jetzt gleich bei der ersten Abstimmung in der Schweiz durchkommen. Aber es wird kommen. Dessen sind sich die Autoren sicher: "Als die Idee aufkam, Wasserleitungen zu verlegen, waren die Bedenken groß: (…) Und wer bitte kontrolliert, dass die anderen den Wasserhahn auch abstellen und nicht missbrauchen? Genauso selbstverständlich, wie der Wasserhahn heute für uns ist, wird das Grundeinkommen nach seiner Einführung sein." Und wenn man dieses Buch gelesen hat, ist der Wunsch wach, diese Einführung noch zu erleben.

Daniel Häni, Philip Kovce:
Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt.
Orell Füssli, Zürich 2015.
192 Seiten, EUR 19,90

 

 

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