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Globalisierung der Kultur

Europa oder Welt?

                           Bitter-süsse Einsicht Tod, Du rettender Engel des Lebens.


Die Belange des Menschen sind nicht auf nationale Territorien zu begrenzen. Mensch ist der Mensch weltweit. Die Belange seiner eigenständigen, individuellen Entfaltung sind die einzigen gerechtfertigten Globalisierungsprinzipien.

Die auf einem antiquierten Rechtsbegriff von Besitz, Eigentum und Zugehörigkeit festgeschworenen Machtverhältnisse, welche sich der einfachsten intellektuellen Verständigungsmittel, der zahlenbezifferten Mengengrössen von Geldsummen bedienen, um Ansprüche über alle Lebensbereiche auszubreiten, zementieren das gewollte Missverständnis privater Verfügbarkeit der gesamten Schöpfung.

Dieses Missverständnis, welches als eine offenbare Lüge im Bewusstsein aller kulturtragenden Menschen aufrecht erhalten wird, hat seinen Fortbestand in der Vorteilsnahme einiger Weniger, welche die daraus gewonnenen Machtmittel zu ihrer Erhaltung einsetzen. Mit dem Versprechen der Vorteilsbeteiligung gewinnen sie ständig neue Verteidiger, welche ein schnelles Glück auf Kosten der Übrigen einem Streben nach allgemeiner Wohlfahrt vorziehen. Auf dem Boden dieser Vorteilsbeteiligung haben sich alle menschengemässen Urteile in ihr Gegenteil verkehrt und sind zu neuen Gesetzen erhoben worden. Sie sind aber keineswegs neu, sondern haben lange Traditionen, welche durch ihren zeitlichen Bestand schon so etwas wie eine eigene Rechtfertigung erhalten haben.

Dagegen muss eingewendet worden, dass alle Revolutionen und Kämpfe gegen diese moralischen Fehlurteile auch schon ebenso alt sind, aber immer einen Nachteil für ihre "Sache" in Kauf nehmen mussten, welcher ihre Niederlage seit eh und je begründete: Sie mussten sich notwendig im Geiste einer menschengemässen Moral in diese Auseinandersetzungen begeben und konnten die Machtmittel nicht benutzen, die sie beseitigen wollten. Daher mussten sie auf dem äusseren Feld entweder unterliegen, oder sie stellten Macht gegen Macht und hatten dann bei einem eventuellen Sieg wieder die gleichen Verhältnisse, in veränderter menschlicher Besetzung.

Die Belange des Menschen sind aber keine Belange der Vorteilsnahme für persönliche Wohlfahrt. Sie sind die Belange einer geistig seelischen Weiterentwicklung, für welche die Begriffe Kultur oder Charaktertugend massgebend sind. Eine Wohlfahrt für alle ist gebunden an eine integrale künstlerische Fähigkeit der Einzelnen, welche die Lebensressourcen situationsgerecht nutzen. Dabei ist grundsätzlich eine Verteilung auf Alle voraus zu setzen.

Denn jede Vorteilnahme auf Kosten anderer stellt eine Verschuldung dar, welche nach den inneren Gesetzmässigkeiten des menschlichen Daseins immer wieder abgezahlt werden muss. Die Methode, dieser Schuldabzahlung dadurch zu entgehen, dass man weitere Verschuldungen zur Rückzahlung benutzt, muss an irgend einem Grenzpunkt einmal zusammenbrechen.

Der Denkfehler welcher diesem Verfahren zugrunde liegt, besteht darin, dass man an den "Ewigkeitsbestand" der Schulden (auch im Hinblick auf die eigene Person) nicht glaubt. Und mit der Beschränkung auf eine Endlichkeit des Lebens so tut, als "'wüsste man von nichts".

Und die miteinander in der Machtausübung verbündeten Vorteilsnehmer beschwichtigen sich mit der These, die "Ewigkeit" gäbe es nicht, und die Fortwirkung von persönlicher Schuldenhaftung wäre "nicht bewiesen". Die auf dem Wege dieses tradierten Missverständnisses immer drastischer auftretenden Teilkatastrophen werden nicht zur Kenntnis genommen und "Unschuldige" als Verursacher deklariert.

Die Flucht der Macht in die Globalisierung ist eine Notmaßnahme, um immer noch weitere Menschengruppen zu entdecken, auf deren Kosten das Spiel fortgetrieben werden kann. Ebenso müssen die bereits in der Abhängigkeit gehaltenen Menschenmassen unter strengere Restriktionen gestellt werden! Dazu sind zwar immer grössere Machtmittel erforderlich, aber bei dem hohen Potential an Leidensfähigkeit des Menschen schlechthin bestehen doch immer noch grosse Reserven,

Die historische Dimension dieses sich geschichtlich wiederholenden Prozesses zeigt die einzige Chance für den einzelnen Vorteilsnehmer auf, immer doch noch in der kurzen Lebensspanne dieser Schuldrückforderung zu entgehen: "man stirbt dann einfach weg!"

Die wirkliche Täuschung besteht darin, nicht zur Kenntnis zu nehmen, welche Bewusstseins- und Gesinnungsänderung nach dem Tode tatsächlich eintritt. Es gibt heute kaum einen denkenden Menschen, der dies nicht wüsste. Die Welt ist voll ausreichender Tatsachen, welche alle Kriterien auf "wissenschaftliche Beweisführung" erfüllen. Aus diesem Grunde hat sich "die Wissenschaft" darauf festgelegt, keinen Beweis anzuerkennen, welcher eine Gesinnungsänderung begründet.

Hier liegt die Ursache für die unfassbare Angst vor dem Tode und die manische Sucht nach Lebensverlängerung.

Diese Selbsttäuschung über den Sachverhalt zwischen Leben und Tod aufzudecken ist das wichtigste der "menschlichen Belange", welche globalisiert werden müssen.

Hier ist eine weltumspannende Aufgabe zu sehen, die eine Gleichstellung aller Menschen bewirkt: nicht die Phrase vom ungehinderten Zugang "zum Markt", sondern der unverstellte Zugang zu einer Einsicht in die Verhältnisse zwischen Leben und Tod. Globalisierung muss heissen, den Menschen wieder einzuordnen in das Sinngefüge der Welt, welches die Selbstverantwortung des Menschen begründet im Hinblick auf die Ganzheit seiner Existenz - welche das Leben sinnvoll auf die Nachtodlichkeit bezieht. Dieses Zeit- und Ewigkeitsbewusstsein ist der Globalisierungsinhalt schlechthin.

Dies ist keine wirtschaftliche, sondern eine Kulturfrage, welche das "Menschsein" wieder auf die Füsse stellt, und die Verkehrungen heilen kann, denen wir zu erliegen drohen.