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Ein Abend in Büren

Pete Alderton und Band in der Niedermühle
Manchmal bin ich hin und hergerissen. Soll ich über die Musik und die Band berichten oder über die "Location"? Und so wie in Büren die Verbindung zwischen Alt und Neu gewagt wurde, will ich versuchen, eine Verbindung zwischen einem Konzert und dem Auftrittsort zu schaffen.

Kennen Sie Büren? Vermutlich nicht, und wenn, vielleicht nur im Zusammenhang mit Berichten über die JVA-Büren, die Abschiebehaftanstalt für abgewiesene Asylbewerber. Aber Büren bietet auch ein besonderes kulturelles Schmankerl, nämlich die Niedermühle. Die wird zurzeit nämlich mit der Hilfe einer Bürgerstiftung zu einem Kulturzentrum umgebaut.


Pete & Band Foto: Helmi Fischer

Zu Gast war am Samstagabend Pete Alderton mit Band, eine Formation, über die ich schon einmal auf TdZ berichtet hatte. Ein wunderschöner Abend in wunderschönem Ambiente. Singer-Songwriting vom Feinsten. Natürlich klingt so ein Spruch wie Werbung, aber anderes wäre wirklich untertrieben. Ein gut besuchtes Haus, gut 150 Menschen saßen dichtgedrängt im ausgebauten Dachgeschoß der Niedermühle, einige Stunden vorher war erst der Fußboden fertig geworden. Ideale Bedingungen für ein Konzert der Spitzenklasse, ein Hochgenuss die rauchige und trotzdem klare Stimme, technisch hervorragend abgemischt, zurückhaltend im "Lärmpegel", ausgesprochen filigrane musikalische Strukturen. Dabei eine Spielfreude, wie sie nicht oft zu erleben ist. Genial.


Foto: Bürgerstiftung Büren e.V.

Zurück zum Kulturzentrum. Seit drei Jahren bauen engagierte Bürger an diesem Kulturzentrum. Gefördert durch Bürener Bürger und mit Kulturfördermitteln der Europäischen Union. Ein langwieriges und kompliziertes Verfahren waren die Projektanträge und der Papierkram, wie die Architektin Monika Falk-Huber vom Architekturbüro "atrium", eine der Verantwortlichen der Stiftung, bemerkt, aber es hat sich gelohnt. Besonders stolz ist man auf den Anbau, in dem das Treppenhaus und der Aufzug untergebracht ist, hier haben die Architekten eine gute Lösung gefunden und so ist die Integration in die bestehende Substanz, wie auch die Einbindung in den Gesamtkomplex aus städtebaulicher Sicht, hervorragend gelungen. Bewusste Akzente werden durch die Farbgebung gesetzt und gehen mit dem Natursteinmauerwerk eine sehr harmonische Verbindung ein. Viel haben die Macher dieses Kulturzentrums noch vor, die Begeisterung haben sie noch  nicht verloren, das ist ihnen anzumerken. Hier ist etwas durch bürgerschaftliches Engagement geschaffen worden, dass sich nicht nur sehen lassen kann, sondern von dem mit Gewissheit auch noch zu hören sein wird.


Foto: Bürgerstiftung-Büren e.V.

Im Konzertraum, dem Dachgeschoss, freiliegende Balken, dunkelbraun und ein unauffälliger weißer Wandputz. Der Boden Eiche, insgesamt ein Eindruck, der nichts von Pseudo-Rustikalität ausstrahlt, eher so aussieht, als sei es schon immer so gewesen. Die Künstler fühlten sich hier sichtbar wohl und bescherten dem Publikum einen Abend, über den es bestimmt noch eine Weile nachdenken wird. Die Gäste, offensichtlich überwiegend Sympatisanten des Projektes Niedermühle, man kannte sich und war ein wenig unter sich. Es war das erste Konzert in diesem Raum, das "Mittelalter" überwog, aber immerhin ist auch Pete Alderton schon über fünfzig; dafür ist er aber auch der Beweis, dass mit den "Alten", wenn sie sich auf eine Verbindung mit der jüngeren Generation einlassen, noch zu rechnen ist. Unter dreißg die Band, Gerold Kukulenz am Kontrabass, der Schlagzeuger Michel Roggenland deutlich darunter, Carsten Mentzel Gitarre und Keyboard-Piano, alles zusammen eine kongeniale Verbindung. Mit Sicherheit wäre dieser Abend auch etwas für die Kinder der Besucher gewesen.

Im Bau selbst wird überall noch gewerkelt, die Eröffnung ist für den 9. September geplant, es soll großen Fest werden. Obwohl die Kasse leer ist, es fehlen mindestens noch 70.000 Euro, sind die Akteure guten Mutes. Der Verein Niedermühle e.V. hat ca. 60 Mitglieder, ca. zehn davon sind aktiv und ehrenamtlich beim diesem Umbau dabei.

Mehl wird in dieser Mühle schon lange nicht mehr gemahlen, nachdem der Müller Mitte des vorigen Jahrhunderts den Betrieb eingestellt hatte, war das Gebäude, das im Jahr 1537 errichtet wurde, die letzten 30 Jahre lang unter der Obhut verschiedener Bürener Vereine, die auch weiterhin hier ein Domizil behalten werden. Zur dringenden Sanierung fand sich dann die Bürgerstiftung zusammen. Ein nachahmenswertes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, dass nicht darauf wartet, bis der Staat oder die Ämter tätig werden, sondern selbst mit Hand anlegt, um regionaler Kultur eine adäquate Heimstatt zu errichten.


Pete & Band Foto: Helmi Fischer

Viel war von "Love" die Rede im Konzert an diesem Abend, der Blues von Pete Alderton und Band aber war diesmal ein Gesang, der nicht in Melancholie verharrte, sondern ein Stück Zukunft aufblitzen ließ, die nicht nur dieser Band und ihrem sympatischen Sänger zu wünschen ist, sondern in diesem speziellen Fall auch Büren, den Einwohnern dieser Stadt und der Bürgerstiftung. Ein wirklich schöner Abend.

www.buergerstiftung-bueren.de
www.pete-anthony-alderton.com

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