|
 |  | | Anbauverbände gegen Gentechnik |
BÖLW legt Schadensbericht zur Gentechnik vor
mm/tdz. 23.03.2009 - Der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft verursacht nach Auffassung des BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) so hohe Kosten, dass die Nutzung dieser Technik "keinen gesamtwirtschaftlichen Nutzen bringt." Die Argumente sind nachvollziehbar, denn wie der vom BÖLW in der vergangenen Woche vorgestellte Gentechnik-Schadensbericht zeigt, verursacht der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen "extrem hohe Kosten in der gesamten Lebensmittelkette." Durch Kontaminationen mit nicht zugelassenen Gen-Konstrukten bei Reis und Mais seien zusätzlich Schäden in Höhe von "einigen Milliarden" US Dollar verursacht worden. Neben steigenden Saatgutpreisen und erforderliche Maßnahmen zur Vermeidung drohender Resistenzen bedingen auch die Trennung von Warenströmen sowie Analysen Kosten, die nach Ansicht des Gentechnik-Experten Dr. Christoph Then, nur "in Ausnahmefällen unter eng begrenzten Bedingungen" von den Landwirten wieder herausgeholt werden könnten. Dies gelte "auch für Deutschland und auch nur dann, wenn die Koexistenzaufwendungen auf andere abgewälzt werden."
Wer aber zieht nun Profit aus dem Einsatz von genmanipulierten Saaten? Es sind nach Ansicht des BÖLW eine Handvoll Konzerne, "allen voran Monsanto, die sich mit Patenten auf Saatgut hohe Gewinne sichern."
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW ist deshalb der Ansicht, dass es nicht einzusehen sei, "warum diese Unternehmen durch Gesetze vor einer umfassenden Haftung geschützt werden und Gen-Saaten bei der Zulassung nur völlig unzureichend auf Umweltschäden und ökonomische Auswirkungen überprüft werden." Der BÖLW fordert eine Reform des EU-Zulassungsverfahrens und die "Verankerung einer umfassenden Verursacherhaftung." An die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ergeht die klare Aufforderung: "Den Anbau in Deutschland stoppen und sich dem Ansinnen der EU-Kommission, jetzt weitere Genmais-Sorten zu zulassen, widersetzen."
Die EU-Kommission hat ihre Bestrebungen, die Anbauverbote in Frankreich, Polen und Griechenland aufzuheben, noch nicht aufgegeben. Anfang März war der Versuch der Kommission, das Anbauverbot für gentechnisch veränderten Mais in Österreich und Ungarn zu kippen, gescheitert. Zugelassen für den Anbau in der EU ist MON810 seit 1998. In Brüssel läuft zurzeit ein Verfahren zur Erneuerung der Genehmigung.
Aktuellen Medienberichten zufolge will die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die Entscheidung über den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland den Bundesländern und den Landkreisen überlassen. In der Bundesregierung allerdings bestehen über die Ausrichtung in Sachen Gentechnik schon seit geraumer Zeit Differenzen. Für Forschungsministerin Schavan ist die grüne Gentechnik ein unverzichtbarer Bestandteil des Wissenschaftsstandortes Deutschland, während Ilse Aigner offensichtlich ein stärkeres Gewicht auf die Belange der Agrarwirtschaft - nicht nur der ökologischen - und der Bevölkerung legt, die ihre Ablehnung gegen Monsanto und Co. sehr deutlich formulieren.
Der Konzern Monsanto hatte sich im Mai 2007 verpflichtet, den Anbau von MON 810 auf mögliche Umweltveränderungen prüfen zu lassen (Monitoring-Plan). Seinerzeit hatte der amtierende Bundesminister Seehofer das damals bestehende Vertriebsverbot für Mon810-Mais ausgesetzt. Bis Ende März muss Monsanto jetzt die Monitoring-Ergebnisse vorlegen. Ilse Aigner auf der Internetseite des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: "Diese werden dann sehr sorgfältig daraufhin geprüft, ob der Monitoringplan korrekt umgesetzt wurde, und ob er in der praktischen Umsetzung den hohen Anforderungen und Erwartungen gerecht wird."
Transgen, ein Info-Portal, das umfassende Informationen über Gentechnik bereitstellt, stellt fest, dass die Ministerin derzeit einem starken Druck ausgestzt sei: "Eine vor allem in Süddeutschland starke Bürgerbewegung aus Naturschützern, Landwirten und Wertkonservativen fordert von Aigner ultimativ ein MON810-Verbot, ebenso eine Reihe von SPD-Bundestagsabgeordneten."
Allerdings ist Transgen der Meinung, dass ein nationales Anbauverbot für MON810-Mais sowohl juristisch als auch politisch nur schwer durchsetzbar sei: "Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über akute Gefährdungen für Mensch und Umwelt, die ein sofortiges Verbot rechtfertigen könnten, gibt es nicht. Die Aussaat steht kurz bevor und die Landwirte, die einen MON810-Anbau planen, haben das Saatgut längst gekauft."
Nach offiziellen Angaben des Standortregisters des Bundesamtes für Verbraucherschutz wird derzeit eine Anbaufläche von 3668 Hektar ausgewiesen. Das sind lediglich 0,18 Prozent der gesamten Mais-Anbaufläche in Deutschland.
Das Internetportal "Campact - Demokratie in Aktion" - ein Zusammenschluss alternativer Verbände und Organisationen, darunter auch die beiden großen Bio-Anbauverbände Demeter und Bioland - hat eine Online-Kampagne gestartet, an der sich bereits über 41.000 Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift beteiligt haben: "Verhindern Sie den Anbau von Gen-Mais! Unterzeichnen auch Sie unseren Appell an die Ministerin!".
Gentechnik-Schadensbericht Standortregister Info-Portal transgen Kampagne Campact
|