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Für die Menschen in Japan. Schülerinnen und Schüler der Altenau-und der Rudolf-Steiner Schule Schloss Hamborn gemeinsam auf dem Sportplatz Hessenberg in Kirchborchen.
mm/tdz. - Die Nachrichtenlage zu den Geschehnissen in Japan ist unübersichtlich und wohl für die meisten kaum verlässlich einzuschätzen. Zu widersprüchlich sind die Meldungen über den Zustand der Atomkraftwerke und den Erfolg der Maßnahmen zur Kühlung der Atomanlagen. Ununterbrochen aber wurden in den letzten Tagen neue Nachrichtenblöcke produziert, die zwar keinen Neuigkeitswert besitzen, aber den offensichtlichen Hunger der LeserInnen nach klaren und verlässlichen Information zu befriedigen versuchen. Immerhin, heute am Sonntagmorgen, sieht es so aus als ob in Bezug auf die Reaktorblöcke etwas Hoffnung aufkeimt. Inzwischen, so scheint es, werden die Nachrichten durch die Berichte über die Situation in Libyen überlagert.
Unterdessen leiden die Menschen an den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis, von 750.000 Obdachlosen ist die Rede, ihr Hab und Gut zerstört, unter den Trümmern vergraben oder durch das Wasser und den Schlamm unbrauchbar geworden. Können wir uns ein solches Leid überhaupt vorstellen? Und wenn, was können wir - die wir uns hier in einer relativen Sicherheit wiegen - überhaupt tun, um das Leid dieser Menschen dort zu lindern?
Ein kleines Zeichen haben am Freitag der vergangenen Woche die SchülerInnen der Borchener Altenauschule und die Schloss Hamborner Rudolf-Steiner Schule gesetzt, als sie auf dem Hessenberg in Kirchborchen gemeinsam der von der Katastrophe in Japan betroffenen Menschen gedachten, die seit etwas mehr als einer Woche auf die Solidarität und die guten Gedanken der Weltgemeinschaft angewiesen sind.
Zu Fuß hatten sich die insgesamt etwa 800 SchülerInnen und LehrerInnen auf den Weg gemacht, um gegen 11:00 Uhr auf dem Sportplatz Hessenberg der Borchener Pfarrerin Christel Weber zu lauschen, die noch einmal in ruhigen und verständlichen Worten die Gesamtsituation in Japan schilderte und dann von einer Nachricht erzählte, die sie von einer Japanerin, die lange in Borchen gelebt hat, bekommen hatte. Diese hätte geschrieben, dass das, was sie dort jetzt gerade in Japan erlebe, "zuviel für eine Seele" sei. Dies, so Frau Weber, könne für uns ein Aufruf sein, mit unseren Seelen ein Stück dieser Erlebnisse mitzutragen.
 |  | die origami-kraniche |
Frau Weber erzählte auch von dem japanischen Mädchen Sadako Sasaki, das zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs durch die USA zwei Jahre alt gewesen sei, scheinbar gesund war und bis zu ihrem 12. Lebensjahr sehr viel Sport getrieben hatte. Bei einem Lauftraining plötzlich zusammengebrochen, wurde bei den anschließenden Untersuchungen Leukämie festgestellt. Während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus hörte sie von einer alten Legende, dass derjenige von den Göttern einen Wunsch erfüllt bekäme, der 1000 Origami-Kraniche falte. Innerhalb eines Monats hatte sie 1000 Kraniche gefaltet. Bis zu ihrem Tod soll sie mehr aus 1600 Kraniche gefaltet haben.
Die SchülerInnen der 7. und 8. Klasse der Rudolf Steiner-Schule hatten die Geschichte dieses Mädchen zum Anlass genommen, diese Kraniche nach der Origami-Methode zu falten, sie hatten diese Kraniche und auch die Anleitung dazu mitgebracht, die man sich mitnehmen konnte. Schön wäre es, so Frau Weber, wenn diese Kraniche in Borchen demnächst überall zu sehen sein könnten.
Nach einem Schlussgebet löste sich die Versammlung auf und die SchülerInnen traten den Heimweg an. Es war vielen der jungen Menschen an diesem Morgen anzumerken, dass durch die Worte der Pfarrerin Weber an diesem Morgen Fragen entstanden waren, die zumindest dem Versuch einer klaren Beantwortung harren.
Und auch wenn es angesichts der vielen Bekundungen der Solidarität wie ein Allgemeinplatz wirken mag: ist nicht die Zeit reif, gerade auch für uns, die heutigen Erwachsenen, neben den guten Gedanken auch - beispielhaft - in die Tat zu kommen; und gerade in diesen Krisenzeiten, die von politischen Umbrüchen, von weltweiten Katastrophen und nicht zuletzt von den aktuell aufgeworfenen Fragen der Atomkraft und damit der Energiefrage beherrscht sind, den existenziellen Fragen einen größeren Raum einzuräumen? Die Fragen liegen vor uns.
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