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Gaza. Einreise mit Hindernissen

09.09.2011

Grenzübergang Erez

Notfallpädagogischer Einsatz der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e.V. im Gaza-Streifen mit Hindernissen. Ein Mitglied des Teams erhielt keine Einreisegenehmigung von den israelischen Behörden.
von Michael Mentzel

Elf Mitglieder der "Freunde" waren am Samstag, den 3. September zu ihrem notfallpädagogischen Einsatz in den Gaza-Streifen aufgebrochen. (TdZ berichtete) Den Team-Mitgliedern Lukas Mall und Dimitri Vinogradov wurde allerdings die Einreise - ohne Begründung - verweigert. Die anderen neun Mitglieder des Teams hatten zwar keine Probleme, mussten aber ihre pädagogischen Arbeitsmaterialien zurücklassen, da es hierfür keine Einfuhrgenehmigung gab. Lukas Mall durfte inzwischen einreisen, der Eurythmist Dimitr Vinogradov aber erhielt keine Genehmigung zur Einreise in den Gaza-Streifen.

Zwei Tage mussten Lukas und Dimitri sich in einem Hotel in Tel Aviv gedulden, bis die Behörden eine Entscheidung getroffen hatten. "Wir werden hier als Touristen behandelt, und können uns dementsprechend natürlich frei bewegen, nur über die Grenze dürfen wir nicht", so Lukas Mall in einem Telefonat mit unserer Redaktion am Dienstag. Im Gepäck hatte das Team Jonglier- und andere Bälle, erlebnispädagogisches Spielzeug, Material aus dem Bereich Kunsttherapie, Pinsel, Farben und Papier. Das Problem dabei könne vielleicht sein, so Lukas Mall, "dass es sich nicht um Handelsware mit ordnungsgemäßen Belegen, Quittungen und sonstigen Unterlagen versehene Dinge handelt und dass wir deshalb keine Genehmigung zur Ausfuhr bekommen."

Für Lukas Mall ist es bereits das 7. Mal, dass er für die "Freunde" im Gaza-Streifen tätig ist und bisher, sagt er, hätte es nie Probleme oder Komplikationen gegeben: "Das ist natürlich jetzt extrem frustrierend, denn jetzt warten Kinder dort, denen man versprochen hatte, wiederzukommen, Freunde, die man inzwischen dort gewonnen hat, Sozialarbeiter und Pädagogen, mit denen wir bisher immer zusammengearbeitet haben."

Am Donnerstag durfte Lukas Mall endlich - mit Teilen des Gepäcks - einreisen. Der Eurythmist Dimitri Vinogradovv aber musste Donnerstagabend nach Deutschland zurückfliegen. Eingeschaltet in den Vorfall war auch die Deutsche Botschaft in Tel Aviv. Diese hatte das „Freunde"-Team mit einem Empfehlungsschreiben an das israelische Außenministerium sowie mit einem Schreiben an die israelischen Zollbehörden unterstützt.

Die neun Mitarbeiter, die inzwischen ihre Arbeit im Gaza-Streifen aufgenommen haben, mussten derweil erst einmal improvisieren, allerdings "hat das fehlende pädagogische Material keine negativen Auswirkungen auf die notfallpädagogische Arbeit des Teams", heißt es in einer Pressemeldung der Freunde vom Mittwoch. Die Meldung zitiert Koordinatorin Kristina Manz, die auch den Einsatz leitet: "Da sich das Team aus waldorfpädagogischen Fachkräften zusammensetzt, ist es allen Team-Mitgliedern möglich, ihr Wissen und ihre fachlichen Kompetenzen mit den vor Ort verfügbaren Materialien optimal umzusetzen. So wird die pädagogische Arbeit den örtlichen Bedingungen und Möglichkeiten angepasst."

Lukas Mall aber freut sich, dass er jetzt endlich angekommen ist und mit seiner Arbeit beginnen kann. Gleichwohl ist es für ihn nicht nachvollziehbar, warum die israelischen Behörden diesmal solche Schwierigkeiten gemacht haben. "Ich bin jetzt heil hier eingetroffen und auch das Material ist fast alles freigegeben worden, allerdings musste ich unsere zwei Satellitentelefone und den Medizinrucksack zurücklassen, sie werden jetzt wieder nach Deutschland zurückgeschickt", berichtet Lukas Mall in einem am Donnerstagabend geführten Telefongespräch mit unserer Redaktion.

Die Freunde der Erziehungskunst setzen sich seit 1971 für die Waldorfpädagogik und für Freiheit im Bildungswesen ein. Seit 1993 organisiert und betreut das Büro in Karlsruhe internationale Freiwilligendienste in aller Welt und ermöglichte bislang fast 7.000 Menschen einen sozialen Dienst in über 350 Projekten in mehr als 60 Ländern. Im Bereich der Notfallpädagogik arbeiten die "Freunde" in Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen bislang mit psychotraumatisierten Kindern und Jugendlichen im Libanon, China, Gaza, Indonesien, Haiti, Kirgisistan und Japan.

Webseite der "Freunde" >
foto: freunde der erziehungskunst

 

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