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Wer entscheidet, was moralisch ist? von Max Michels von den beatatgenten
Es ist verständlich, dass die Wogen hochgehen beim Thema Käßmann und ihrer Trunkenheitsfahrt. Die öffentliche Auseinandersetzung um ihre Afghanistanpredigt machte sie zu einer Ikone für alle, die im Afghanistankonflikt nicht auf Seiten der Befürworter des Bundeswehreinsatzes stehen. Gleichzeitig aber auch, und das ist unschwer an den vielen Kommentaren abzulesen, wird sie dadurch auch angreifbar, weil die Beurteilung dessen, was wir Moral zu nennen belieben, immer auch eine sehr subjektive Komponente hat. Man stelle sich vor, wie es Guido Westerwelle jetzt gehen würde, hätte er mit 1,54 Promille im Blut eine rote Ampel überfahren. Häme und Spott wären schier grenzenlos.
Die vielen Vergleiche, die jetzt mit Friedman, Wiesheu u.A. zur Legitimierung der Rücktrittsforderung gezogen werden, scheinen mir allerdings unangebracht. Die Entscheidung darüber liegt ausschließlich bei Frau Käßmann selbst. Aus der Tatsache, dass Frau Käßmann alles zugegeben hat und jetzt Reue zeigt und zerknirscht ist, lässt sich nach meiner Meinung - angesichts staatsanwaltlich dokumentierter Promillewerte - nicht ableiten, dass die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit von Frau Kässmann eine besonders zu würdigende Leistung sei. Aber, dass dieses einigermaßen hoch bewertet wird, zeigt gerade die Sehnsucht der Menschen nach Bildern, an denen man sich aufrichten kann.
Besonders häufig herangezogen wird auch das Bild vom "ersten Stein", den es von dem zu werfen gelte, der "ohne Schuld" sei. Dieser Vergleich passt in diesem Fall, bei dem es um eine echte Straftat geht, überhaupt nicht. Wer bewertet die "Schuld" von Frau Käßmann? Es steht außer Zweifel, dass für die strafrechtliche Seite das "Gesetz" zuständig ist. Für die "Moral" aber, die so gern ins Feld geführt wird, sind nicht die Medien oder aufgebrachte Kommentatoren zuständig, sondern Frau Käßmann ganz allein. Und wie man jetzt eben erfährt, hat sie wohl beschlossen, zurückzutreten.
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