Themen der Zeit
 Suche  | Links  | Kontakt  | Impressum 
 
 
 
 
 

 


 

zur Nachrichten-Übersicht


EHEC und kein Ende

07.06.2011

Nach BSE, Vogelgrippe, Dioxin jetzt EHEC. Alle tappen im Dunkeln, es gibt keine Beweise, aber Gurken, Tomaten Salat und Sprossen sind die Übeltäter. Gemüse ist out. Die Quellen sind trübe, aber alle haben eine klare Meinung.
von Michael Mentzel

Klarer Sieger nach Einschaltquoten und Leserreichweiten dürfte derzeit die Sprosse sein, bis heute morgen führte sie das Feld unangefochten an. Tomaten, Gurken und Blattsalat sind zwar noch nicht gänzlich aus dem Rennen, werden aber auf die hinteren Plätze verwiesen. Energiefragen, Kriege und tote Bundeswehrsoldaten landen abgeschlagen am Ende der Medienkette. Eindeutiger Favorit ist die Bio-Sprosse.

Ich bin keiner, der leichtfertig Verschwörungen wittert, für so etwas habe ich "nu gar keinen Kopp", wie der Volksmund zu sagen pflegt. Und so haben mich die diversen Enthüllungen eines Enthüllungjournalisten aus einem Enthüllungsverlag nicht weiter beeindruckt. Zu absurd erscheinen dessen Mutmaßungen, die wohl auch eine gehörige Portion Stimmungsmache nach Sarrazin-Art zu enthalten scheint. *

Gleichwohl habe auch ich eine Theorie, die mir ins allgemeine politische und gesellschaftliche Bild zu passen scheint. Sprossen gehören zu den Lebensmitteln, die wohl für viele, wenn nicht sogar die Mehrzahl der Verbraucher als verzichtbar eingestuft werden dürften, wenn sich denn tatsächlich herausstellen sollte, dass die Sprossen verantwortlich für die Durchfallerkrankung EHEC sind. Dies aber muss durch positive Proben nachgewiesen werden, was bis zur Stunde jedenfalls nicht der Fall ist. Trotzdem werden in den Medien die Messer gewetzt und in den Kommentaren zu den Artikeln wird wieder mal kräftig gegen Bio und die "grüne Gefahr" gelästert.

Nach Lage der Dinge werde ich also den Verdacht nicht los, dass die Sprosse am Ende des Hypes der Sieger im Rennen bleiben wird, aber da der Keim möglicherweise nicht nachzuweisen ist, könnte sich die Sache - wie schon so oft - im Sande verlaufen und kaum jemand wird sie je wieder auffinden. Die Sprossen sowie die Gurken und Tomaten werden noch eine kurze Zeit gemieden, echte "Bios" werden ihre Sprösslinge sowieso selbst aufziehen und gut ist. Die Welt geht weiter, in einigen Wochen wird dieses Thema allenfalls noch einige notorische "Dauermäkler" beschäftigen, die aber in Ermangelung einer medialen Lobby keine Chance auf größere Aufmerksamkeit haben werden.

Etwas ganz anderes aber - so meine These - wäre es, wenn sich herausstellte, dass tatsächlich die Massentierhaltung und die damit verbundene Gülledüngung als Ursache für die Verbreitung der "Seuche" verantwortlich wäre, zumal wir nach Aussagen der amtlichen Wetterfrösche zur Zeit das trockenste Frühjahr seit Aufzeichnung der Wetterdaten erleben. Nach diesem Bericht ist eine solche Vermutung ja so abwegig nicht. Ich sehe förmlich die Schweißperlen auf der Stirn der zuständigen politischen Akteure, allen voran der Bundeskanzlerin Merkel. So etwas würde eine Massenbewegung hervorrufen, gegen die der Aufstand gegen Stuttgart 21 noch wie ein harmloses Kaffekränzchen daherkäme. Warum eigentlich werden die Durchfall-Patienten in dem "Screening-Fragebogen für Patienten mit blutigem Durchfall" nur nach ihrem Rohgemüseverzehr gefragt, und nicht danach, ob sie eventuell nicht ganz durchgebratenes Fleisch gegessen haben? Ich stelle mir gerade vor, dass ich nach dem Genuss eines englisch gebratenen Steaks Durchfall bekomme und vom Arzt gefragt werde, ob ich Pfefferminztee dazu getrunken habe. Würde er nicht eher nach dem Haltbarkeitsdatum der Steaks, Würstchen oder des Hacks fragen, die jetzt z.B. auf den allerorten stattfindenden Volks- und Gartengrill-Festen verzehrt werden? Fleisch ist ja auch auf der allgemeinen Seite der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen zu EHEC eindeutig als möglicher Verursacher aufgeführt. Mir scheint es unverantwortlich, in diesem Fragebogen nicht danach zu fragen. Oder waren etwa alle bisher Erkrankten Vegetarier?

Nun, zumindest in Hamburg scheint sich die Lage zu entspannen. Angesichts der Säue, die durch die Mediendörfer getrieben werden, ist das doch mal eine gute Nachricht, denn vielen ist dieser Hype inzwischen ein Dorn im Auge und lieber heute als morgen wird ein Ende dieses medialen Dauerfeuers herbeigesehnt.

Mir aber bleibt meine These und obwohl ich keine Wetten auf diese meine Einschätzung abschließen würde, bin ich doch davon überzeugt, dass wir in einiger Zeit noch ganz andere Dinge erleben werden. Mit Nostradamus oder gar 2012 allerdings wird das nicht viel zu tun haben, eher mit der Frage nach der Grenze der menschlichen Jagd nach Profit, Profit und nochmals Profit.

* Udo Ulfkotte und Kopp Verlag (zum Selbergooglen)

 

Diskussion?

Leserkommentare


REKLAME

steiner2011
daruf. audio | video | web | print