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Die Lieder von Paul Joses

14.01.2012

Paul Joses und Stephan Kießling in Aktion - © foto tdz


Manfred Albert erzählt in "The songs of Paul Joses" Road- und andere Geschichten über einen großartigen Singer/Songwriter, Künstler und Menschen.
von Michael Mentzel

Als ich Paul Joses zum ersten Mal begegnete, war ich einfach nur noch beeindruckt von der Präsenz dieses kleinen Mannes mit der großen Stimme. Wir hatten einen ganzen Abend miteinander geplaudert, Paul erzählte Geschichten aus Berlin, wo er lange Jahre gelebt hatte und so gegen Mitternacht nahm er die Gitarre und spielte noch ein kleines Abschiedslied. Das war der Moment, als ich beschloss, diesen kleinen Schotten zu lieben! Die Intensität dieser Stimme begeistert mich seither und ich freue mich immer wieder, wenn ich die Gelegenheit habe, ihm zuzuhören.

Ganz besonders aber freut es mich, das jetzt die Geschichten und noch einiges mehr in einem kleinen Buch erschienen sind, das ein langjähriger Freund und Weggefährte von Paul Joses kurz vor Weihnachten 2011 herausgebracht hat. Das Buch von Manfred Albert ist liebevoll gestaltet, enthält vierzig Songtexte inclusive deutscher Übersetzung und was noch schöner ist, in den "paar Worten vorweg" - mit englischer Übersetzung auf der jeweils gegenüberliegenden Seite - fächert er Pauls Leben und insbesondere seinen künstlerischen und musikalischen Werdegang auf.

1973, mit zwanzig Jahren verließ Paul zusammen mit einem Freund seines Vaters seine Heimat, Dumbarton in Schottland; er hatte eine Schreinerlehre absolviert, aber keine Anstellung gefunden. nach einigen Stationen in Holland und Belgien kam er schließlich nach Wiesbaden, wo er auf der US-Airbase Arbeit als Tischler fand. Dort lernte Manfred Albert ihn kennen und stellte fest, dass "Paul und ich auf der gleichen Wellenlänge waren." Seitdem sind die beiden miteinander befreundet und machten gemeinsam ihre Erfahrungen in Wiesbadener Clubs und Szenekneipen und produzierten ihre ersten Aufnahmen auf Kassette. Sie coverten Songs von Neil Young, Gordon Lightfoot, irische Traditionals und viele andere.

Manfred Albert erzählt von seiner ersten gemeinsamen Reise durch England und in Pauls schottische Heimat und er tut das in so einer liebenswürdigen Weise, dass man das Gefühl haben kann, man sei dabeigewesen. Viele von Pauls Songs erzählen von dieser Heimat und den Menschen, die in Schottland am Fluss Clyde gelebt und gearbeitet haben. Von Dock- und Hafenarbeitern, die die Woche über schuften und sich nach dem verdienten Feierabend sehnen, wie in "The Clyde Port Authority": "And how we long for the saturday, when we dock on to the Anderson Quay, its´s a night on the town, drinking Newcastle Brown, And the Barrowland (ein Club in Glasgow) is dancing for me."

1973 verlässt Paul Joses Wiesbaden - für Manfred Albert ein "schmerzlicher Abschied" - und zieht nach Berlin, wo er 1976 seine erste Schallplatte herausbringt, sie heißt "Lonely Man". Mit den Songs dieser Platte und einer Band tingeln sie im Vorprogramm der "Sparks" durch England und Schottland, um die Platte bekannt zu machen. Neben den Auftritten in Berliner Kneipen, Clubs und Szenelokalen wirkte Paul auch bei anderen musikalischen Projekten mit und gewann mit seiner Rockoper " AM Stereo" sogar einen Preis, den der Berliner Senat ausgeschrieben hatte. In Berlin dürften auch die Wurzeln seiner Bühnenpräsenz zu finden sein, denn ohne diese solide Bühnenpräsenz und -erfahrung war es - speziell in Berlin - in den Hochzeiten der Folkmusik schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erringen. Sich selbst und seinen Songs aber ist der Künstler Paul immer treu geblieben.

Ein großer Teil der "Worte vorweg" ist Pauls Zeit in Paderborn gewidmet, von seinem ersten Auftritt in der Paderborner "Klarinette" bis zu seiner letzten CD "Roadstories" finden wir hier weitere Erzählungen aus dem Leben des Songwriters Paul Joses, der niemals dem Mainstream gefolgt ist, aber trotzdem einen gradlinigen Pfad durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens gegangen ist. Die zahlreichen Stationen seiner Paderborner Zeit sind hier genauso zu finden wie die Gedanken des Autors über die Hintergründe der Songs und Balladen oder auch - sehr schön - weiterer Beschreibungen seiner schottischen Heimat und seiner Beobachtungsgabe, mit der Paul, der heute als einfacher Handwerker in Schloss Hamborn bei Paderborn arbeitet, seine Umgebung, die Menschen und ihre Beziehungen zueinander beschreibt und besingt. Seit fast 14 Jahren Jahren tritt Paul nun gemeinsam mit Stephan Kießling auf, hin und wieder unterstützt durch befreundete Gastmusiker.

Neben vielen Bildern von Auftritten oder aus Pauls schottischer Heimat finden wir in diesem Buch Pauls gesamte Diskographie sowie eine Auflistung der zahlreichen Musikerkollegen und - freunde, mit denen Paul gemeinsame Projekte oder Auftritte absolviert hat. Manfred Albert hat sich bei der Gestaltung dieses Buches sehr viel Mühe gegeben und es ist sehr viel darin von der Zuneigung zu spüren, die der Autor gegenüber dem Gegenstand seiner Betrachtungen empfindet. Wer den "kleinen Schotten mit der großen Stimme" kennt, wer darüberhinaus etwas übrig hat für authentische Musik und poetische, ehrliche Texte, kann dieser Zuneigung allerdings nur zustimmen. Ich freue mich sehr über dieses Buch und kann die Lektüre wärmstens empfehlen.

Erschienen ist das Buch im Selbstverlag und wer es erwerben will - es kostet 10.- Euro - schreibt einfach eine Mail an: pauljoses@hotmail.com

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