Themen der Zeit
 Suche  | Links  | Kontakt  | Impressum 
 
 
 
 
 

 


 

zur Nachrichten-Übersicht


Deutschland am Stromtropf? Eine Woche vor der Wahl in Berlin wurde in vielen Medien über die exorbitante Zunahme von ausländischen Stromimporten berichtet, so dass der Eindruck entstehen konnte, dass Deutschland tatächlich am "Stromtropf" hänge.

mm/tdz. - Hintergrund war - so lässt es sich nachverfolgen - offensichtlich ein Bericht des Nachrichtenmagazins Focus, in dem unter anderem von einem gewaltigen Anstieg der Stromimporte aus Tschechien die Rede war. Zitat: "Nach FOCUS-Informationen wurde aus Frankreich in erster Linie Atom- und in geringerem Maße Kohle-Strom nach Deutschland importiert. Gleiches gilt für Stromeinfuhren aus Tschechien, die sogar um 673 Prozent gestiegen sind."

Die Meldung machte die Runde und google meldete etliche Nachrichtenartikel zu diesem Thema. Die Informationen stammten offensichtlich aus einer Meldung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), die aber Fehler enthalten hatte, was der Verband auch einen Tag später korrigiert hatte. Wegen eines "technischen Übertragungsfehlers" seien einige der aktuell in den Medien wiedergegebenen Zahlen "in Teilen" nicht korrekt gewesen, heißt es in der Korrekturmitteilung an die Medien. Und weiter: "Während die absoluten Zahlen zu den physikalischen Stromflüssen richtig wiedergegeben wurden, sind einige Prozentzahlen aufgrund dieses technischen Fehlers falsch übertragen worden. Anders als in mehreren Presseberichten veröffentlicht stiegen die physikalischen Stromflüsse aus Tschechien im Zeitraum Januar bis Juni 2011 nicht um 673 Prozent, sondern lediglich um 15,7 Prozent."

In die Berichterstattung des Focus aber floss die Korrektur dieser Meldung nicht ein; eine Richtigstellung sucht man sowohl beim Focus als auch bei vielen anderen Medien vergebens.

Die Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" hat dazu eine Presseinformation herausgegeben. Deutschlands Stromexport sei "immer noch 17 Prozent" höher als der Import, hätte das statistische Bundesamt festgestellt und Jochen Kay, der Sprecher von "ausgestrahlt", erklärt dazu: "Die Mär von der Abhängigkeit vom ausländischen Atomstrom ist widerlegt."

Die Stromeinfuhr aus Tschechien und Frankreich sei zwar höher, als die Ausfuhr aus der Bundesrepublik, so Jochen Stay, aber "dafür gibt es Gründe, die nicht ins Wunschbild der Atomkraftfreunde passen: So ist ein Teil der Importe aus Tschechien Windstrom aus Norddeutschland, der über das polnische und tschechische Netz nach Bayern geliefert wird. Und der Strom aus Frankreich ist teilweise Transitstrom für Italien, der über Deutschland und die Schweiz weitergeleitet wird."

Was bleibt, ist die Erkenntnis, das sich einerseits immer wieder schlechte Nachrichten besser verkaufen als gute, andererseits sind "schlechte" Nachrichten manchmal auch gute, denn eigentlich ist es doch immer wieder schön, nachzulesen, dass zurzeit nur vier Atomkraftwerke in Deutschland am Netz sind.
Nach Ansicht vieler Bundesbürger und der Anti-Atom-Organisationen sind das allerdings noch vier zuviel.

Themen der Zeit bei Facebook

reklame

da_podcast
steiner2011