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Ich bin Beamter!



Das Ansehen Deutschlands

Wegen des drohenden Bahnstreiks sorgt sich Minister Glos um das Ansehen Deutschlands
von Max Michels

Warum machen wir es nicht so, wie uns die französische Königin Marie-Antoniette - siebzehnhundert-irgendwas - empfohlen hat. Sie hatte sinngemäß gesagt: Was regen sich die Leute denn auf, dass es kein Brot gibt, sollen sie doch Kuchen essen. Das war naürlich damals eine "Zeitungsente", aber irgendwas bleibt doch schließlich immer hängen. Also, was regen wir uns auf. Sollen die Lokführer doch streiken, fahren wir eben mit dem Auto.

Um dem drohenden Verkehrskollaps zu entgehen, könnte doch einfach für die Dauer des Streiks für deutsche Autofahrer - denn die anderen können ja nix dafür - ein Fahrverbot verhängt werden. Das würde zwar der Autoindustrie nicht gefallen, aber es wäre doch für eine gute Sache. Dem Ansehen Deutschlands würde es eher nützen, denn dem ausländischen Urlaubsgast stünde plötzlich ein Autobahnnetz zur Verfügung, das er nach Herzenlust berasen könnte, denn wie wir wissen, gibt es in unseren rückständigen Nachbarländern ausnahmslos Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Die Autobahnrastätten würden an den Einnahmen für´s Pinkeln nochmal so richtig absahnen können und der deutsche Autofahrer müsste zu Fuß einkaufen, was dem Laden in seiner Nähe, so es ihn noch gibt, sicher auch zugute kommen. Regionale Produkte sollen ja auch nicht schlecht sein, meist sind sie sogar ökologisch angebaut.

Das Wetter soll noch eine Weile mitspielen, wir können uns auf einen geruhsamen Sommer einstellen, eingespartes Geld für Sprit schicken wir nach Bangladesh, wo zur Zeit dringend Geld benötigt wird, und wer unbedingt arbeiten will, wird schon einen Weg finden, wie er das tun kann. Könnte doch eine Übung für das Grundeinkommen sein. Kreativ sein und nicht immer meckern.

Ein Wirtschaftsminister, der sich um das Ansehen der Republik Sorgen macht, ist witzig. War Graf Lambsdorf nicht auch mal Wirtschaftsminister? Oder Helmut Kohl war doch sogar Kanzler, so eine Art Oberwirtschaftsminister. Jedenfalls muss er ganz gute Verbindungen gehabt haben, wie man so munkelte. Genaues weiß man ja nicht, wie wir wissen, aber natürlich sind die nicht mit der Bahn gefahren. In mancher Hinsicht darf man doch daran zweifeln, dass diese Herren, wie auch noch andere, dem Ansehen Deutschlands immer genützt haben.

Also Herr Glos, nicht so hoch hängen oder nochmals mit Marie-Antionette: Wenn kein Zug fährt, fahren wir einfach mit dem Taxi. Die richtigen Bestimmer in einer Demokratie wie der unserigen haben sowieso alle Dienstwagen. Immerhin haben wir als Wähler sie damit ausgestattet. Und die sollte man ob ihrer Wichtigkeit dann vom Fahrverbot ausnehmen, damit man sehen kann, wer da so alles rumfährt. Schließlich möchte der Bürger wissen, wie die Leute aussehen, die ihm diese Suppe eingebrockt haben.

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