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Die Jugendclub U17 - Schauspieler im Studio des Paderborner Theaters spielen "DNA", fast ein Thriller, zumindest aber ein Krimi ohne Happy-End.
von Michael Mentzel

Das Stück berührt. Nicht allein deshalb, weil es gruppendynamische Prozesse anschaulich macht oder das Thema Jugendgewalt auf eine bedrückende Weise sichtbar werden lässt, sondern weil es den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern gelingt, durch ihre sehr eindrückliche Präsenz das Publikum in einen immer schneller werdenden Strudel von Unsicherheit, Verlassenheit und Angst ihrer Generation hineinzuziehen.

Ein scheinbar harmloses Spielchen - ein bisschen Mutprobe, etwas Mobbing - gerät plötzlich außer Kontrolle und die Protagonisten sind ratlos und verunsichert, spüren sie doch den Druck, der plötzlich auf ihnen lastet und dem sie nur Herr werden, in dem sie sich bedingungslos einem Leader unterwerfen, der weiß, was zu tun ist, der Ideen hat und der sie durch seine Coolness so beeindruckt und manipuiert, dass Widerspruch dagegen unweigerlich zum eigenen Untergang führen würde.

Adam war am Ende des Spielchens abgestürzt, es traf ihn ein Stein und alle halten ihn für tot. Raffiniert wird der Verdacht auf einen imaginären "Postbeamten mit schlechten Zähnen" gelenkt, der sich - zum Erschrecken der jungen Menschen - plötzlich als echter Tatverdächtiger in Polizeigewahrsam befindet. Das schlechte Gewissen wird unterdrückt, die Trauerfeier gerät zum öffentlichen Ereignis, in dem die Jugendlichen plötzlich im Mittelpunkt stehen und der ehedem unbeliebte Adam plötzlich zu jedermanns Freund avanciert und alle "irgendwie freundlicher, anders" miteinander umgehen.

Problematisch wird die Sache allerdings, als einer der jungen Leute Adam plötzlich lebend auffindet und damit neues Unheil heraufzieht. Die Lösung: Er wird kurzerhand - jetzt allerdings wirklich - umgebracht. Mit dieser Tat aber ist das Schicksal der Jugendlichen besiegelt. Niemand - außer Leah, die sich vom Anführer Phil, dem mit den Ideen, lossagt und geht, findet ins normale Leben zurück. Übrig bleibt ein Häuflein hoffnungsloser Gestalten, deren Lebensinhalt statt Zukunftsperspektiven nur noch Verdrängung, Drogensucht und Irrsinn beinhaltet. Keine Chance. Rien ne va plus.

Geschrieben wurde das Stück von dem englischen Schriftsteller Dennis Kelly, in Szene gesetzt von Chiara Nassauer und das Bühnenbild wurde von Malte Axler von der TU-Berlin gestaltet, mit der das Theater Paderborn eine Kooperation eingegangen war, die sich auch auf die Kostüme von Kim Scharnitzky erstreckte. Beindruckend dargestellt wurde das Stück von den 11 Jung-Schauspielern des Jugendclubs U17 im Studio des Paderborner Theaters. Ehrliche Begeisterung des Publikums mit reichlich Applaus für eine großartige Leistung des jungen Ensembles.

In den Rollen: Thekla Ambros, Jasmin Ergin, Jacob Heeman, Natascha Knoll, Niklas Krutschinski, Johanna Müller, Sophia Röhrich, Nele Charlotte Schünemann, Athina Walther, Lucie Wendlandt und Franca Zajac.

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