|
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft befürchtet Reduktion der Förderung für den Öko-Landbau.
mm/tdz. - Nicht nur in Kassel-Witzenhausen, wo derzeit die Professur für den bio-dynamischen Landbau abgeschafft werden soll, beginnt man daran zu zweifeln, ob die Fragen des ökologischen Landbaus bei den jeweils zuständigen "Fachleuten" in den richtigen Händen sind. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisiert die Absicht der Regierungskoalition, "das Bundesprogramm Öko-Landbau durch die Hintertür abzuschaffen." Die Koalition, so die Pressemeldung, hätte "extrem kurzfristig zu den heutigen Bereinigungsverhandlungen des Haushaltsausschusses den Antrag eingereicht, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) für „andere nachhaltige Formen der Landwirtschaft“ zu öffnen."
Inzwischen sei nämlich alles zur "nachhaltigen Landwirtschaft" erklärt worden, so das Argument des BÖLW: "Ob Chemie-Einsatz in der Natur, industrielle Tierhaltung in Massenställen, Gentechnik in der Pflanzenzucht – alles wird unter dem gleichen Begriff aufgewertet. Wenn das Bundesprogramm nun für all das geöffnet wird, bedeutet das im Klartext das Ende des politischen Engagements für die Entwicklung des Ökologischen Landbaus.“
Von der Koalition werde alles "ausgetrocknet", was nicht "ihrem Bild einer industrialisierten Landwirtschaft" entspräche. Aber die "besonderen Potenziale des Öko-Landbaus" seien unstrittig, sagt Felix Prinz zu Löwenstein - der Vorstandsvorsitzende des BÖLW - und nennt es unverantwortlich, wenn "diese Potenziale nicht nur nicht genutzt, sondern offensichtlich bekämpft werden".
Das Bundeskabinett hatte am 10.11. die so genannte "Nationale Forschungsstrategie Bio Ökonomie 2030 - Unser Weg zu einer bio-basierten Wirtschaft" beschlossen und stellt dafür in den nächsten sechs Jahren mehr als zwei Milliarden Euro Fördermittel zur Verfügung. Damit solle laut Regierung ein "Strukturwandel von einer erdöl- zu einer bio-basierten Industrie" ermöglicht werden. Verbunden damit seien große Chancen für "Wachstum und Beschäftigung". Hervorgehoben wird auch die Übernahme von internationaler "Verantwortung für die Welternährung, die Rohstoff- und Energieversorgung aus Biomasse sowie für den Klima- und Umweltschutz."
"Angesichts dieser Milliarden", so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, "mit denen die Nutzung der Biomasse mit Hilfe der Gentechnik für die Bedürfnisse der Industrie konditioniert werden soll, ist es ein Skandal, dass der bescheidene Ansatz des Bundesprogramms Ökologischer Landbau, eine naturverträgliche und von kapitalintensivem Input weitgehend unabhängige Landwirtschaft fortzuentwickeln, nun beseitigt werden soll."
Der BÖLW weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass das Bundesprogramm, das auf den Öko-Landbau zugeschnitten sei, zu zahlreichen Innovationen geführt hätte, die inzwischen auch in der konventionellen Land- und Lebensmittelwirtschaft von Bedeutung seien. In der Tat gibt es Beispiele: So sind nahezu alle modernen Maßnahmen der mechanischen Unkrautbekämpfung im Kontext des Ökolandbaus entwickelt worden. Bio-Brauer haben ein Verfahren der Herstellung alkoholfreien Biers auf Basis der Milchsäuregärung entwickelt, bei dem weder gentechnisch veränderte Organismen eingesetzt werden müssen noch der Alkohol unter Beeinträchtigung des Geschmacks entfernt werden muss.
Ein weiterer Kritikpunkt am Vorgehen der Koalition ist, dass keine Fachpolitiker einbezogen seien, wie das bisher üblich gewesen sei. Die Befürchtung des BÖLW: dass sich die Regierungskoalition auf diese Weise, "durch die Hintertür", des auf den Öko-Landbau zugeschnittenen Programms entledige.
Hintergrund: Pressemitteilungen BÖLW und BMBF Positionspapier des BÖLW
|