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"vorbildlicher Gründerelan und beispielhaft praktiziertes Bürgerengagement"
In einer von der Bochumer GLS-Bank erstellten Studie zum Thema "Freie und Alternativpädagogik" werden erstmals Daten und Fakten in einem "Branchenbericht" zusammengefasst, der am 14.5.2007 in Bochum der Presse vorgestellt wurde.
mm/tdz. Die Studie der Bank bescheinigt den Freien und Alternativschulen "eine hohe Relevanz in der Bildungslandschaft und eine weiter steigende Bedeutung in der Zukunft, nicht zuletzt angestoßen durch die aktuelle Bildungsdiskussion."
Alle allgemeinbildenden Schulen - bezogen auf den Teilbereich der Schulen in freier Trägerschaft - die sich durch alternative pädagogische Ansätze auszeichnen, wurden in der Studie berücksichtigt. Dabei wurden als besondere Merkmale dieser Schulen die relativ großen Mitspracherechte und Einflussmöglichkeiten der "überdurchschnittlich engagierten" Eltern hervorgehoben. Des weiteren wurde konstatiert, das etwa ein Viertel der mehr als 500 vorhandenen Schulen in freier Trägerschaft seit 2003 entstanden sind. Die in den letzten Jahren gestiegene Nachfrage nach alternativen Bildungskonzepten, auch das ein Ergebnis der Studie, könne aber nicht ausreichend befriedigt werden.
Die Ursache für das unzureichende Angebot ist allerdings nicht auf Seiten der Schulinitiativen zu suchen. Von der GLS-Bank wird den privatwirtschaftlich ausgerichteten Schulen "vorbildlicher Gründerelan und beispielhaft praktiziertes Bürgerengagement" attestiert. Denn in fast allen Fällen sind Eltern die Initiatoren einer Schulgründung und jeder vierte Geschäftsführer arbeitet ehrenamtlich. Von den Lehrerinnen und Lehrern werden trotz zusätzlicher Qualifizierungserfordernissen, wie z.B. in Form des Waldorflehrerseminars, deutliche Gehaltsabschläge in Kauf genommen. Das durchnittlich bezahlte Gehalt liegt nach den Ergebnissen der Studie ca. 14% unter dem BAT-West und sogar 18% unter dem BAT-Ost. Obwohl Eltern bereit sind, ein Schulgeld von zum Teil mehr als 130 Euro zu bezahlen, bekommt nicht jeder der angemeldeten Schüler einen Platz. Der "Nachfrageüberhang" beträgt zur Zeit ca. 20%. Nach Ansicht der Studie kann dies nicht als Ergebnis der Pisa-Studien und des damit gestiegenen Bewusstseins für Bildungsqualität gewertet werden.
Von Werner Landwehr, dem Leiter der Kreditabteilung der GLS-Bank wurde bei der Vorstellung der Studie ausgeführt, dass sich die Branche der freien und Alternativpädagogik dennoch weiter positiv entwickeln werde, denn der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die freie und alternative Schulen besuchen, ist mit 6,7% noch weit unterdurchschnittlich. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 15,1%. In den Niederlanden gehen über 76% und in Großbritannien immerhin deutlich über 40% der Kinder in entsprechende Schulen.
Ein weiteres Ergebnis der Studie, deren Autor Christof Jauernig ist, dass die Privatschulen ihr Bildungs- und Dienstleistungsangebot kontinierlich und im hohen Ausmaß ausweiten wollen. Die nicht ausreichende Deckung der vorhandenen Nachfrage wird von der Studie auf die nicht sehr "gründungsfreundlichen" staatlichen Rahmenbedingungen und auf die Fördergesetzgebung der Länder zurückgeführt. Bei der Frage nach der Finanzierung der freien Schulen wird bemängelt, dass bei der Zugrundelegung vergleichbarer Schülerkosten im staatlichen Bereich der "faire Preis" fehlt, was soviel heißt, dass die Zuschüsse zu niedrig bemessen sind und es zudem lange dauere, bis staatliche Zuschüsse überhaupt einsetzten.
Die GLS-Bank plädiert angesichts der insgesamt unzureichenden und durch die zwischen den Bundesländern unterschiedlichen Rahmenbedingungen für eine Harmonisierung der Regelungen für die Genehmigungen und die Finanzierung von Ersatzschulen.
Die Studie teilt jedoch trotz der ungünstigen Bedingungen die Zuversicht der Schulen, die von steigenden Anmeldezahlen innerhalb der nächsten fünf Jahre ausgehen und in großer Zahl Erweiterungen ihrer Dienstleistungsangebote geplant haben.
Handlungsbedarf sieht die Studie dennoch, vor allem im Bereich des systematischen Fundraisings und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die an den Schulen noch zu wenig betrieben wird. Die unzureichende gegenseitige Wahrnehmung der Freien und Alternativschulen untereinander ist ein weiterer Kritikpunkt der Studie.
Der Hintergrund der Studie speist sich aus umfassenden Interviews und Expertengesprächen, aber auch einer Primärdatenerhebung in Form von Fragebögen. Befragt wurden hier ca. 200 Vorstände und Geschäftsführer von knapp 500 Schulen. Dabei wurde sehr gute Rücklaufquote von etwa 40% erreicht.
Der 109 Seiten umfassende Branchenbericht "Freie und Alternativpädagogik" kann bei der GLS Bank bezogen werden.
GLS Bank, Postfach 10 08 29, 44708 Bochum
Dem Bericht liegt eine Pressemitteilung der GLS-Bank zugrunde
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