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Bio im Sommerloch?

mm/tdz. Ist es nur dem Sommerloch zu verdanken, dass in den Medien zurzeit die drei Buchstaben "Bio" so präsent sind? In den meisten Beiträgen geht es um die Beteiligung des Lebensmittelkonzerns Schwarz/Lidl an der Bio-Supermarktkette Basic.
Nachdem die Herrmannsdorfer-Landwerkstätten einen Lieferboykott angekündigt hatte, hat nun auch der Bio-Großhändler Dennree, nach eigenen Angaben führender Großhändler auf dem Biomarkt, sich entschlossen, die Belieferung von Basic einzustellen. Das berichtete die "taz" in ihrer gestrigen Online-Ausgabe.
In einem Interview der Wirtschaftswoche äußert sich der Präsident und Vorstandschef von Bioland, Thomas Dosch, zur aktuellen Entwicklung. Es gäbe keinen Grund für einen Boykott, wenn sich am Konzept von Basic nichts ändere. Was die Beteiligung der Schwarz-Gruppe bei Basic angehe, kritisiert Dosch den "inquisitorischen und pharisäerhaften Charakter" der Diskussion und vermutet, das unter "dem Etikett der Grundsatzdiskussion" eventuell auch alte Rechnungen unter den Basic-Eigentümern beglichen werden könnten. "Wir „Bios" haben eine Gabe, das vermeintlich Böse dadurch zu bekämpfen, dass wir versuchen, vermeintliche Verräter abzuschießen."
Dosch bezeichnet es als Naivität, zu glauben, "man könnte das Geld von Investoren fernhalten, die davon profitieren wollen, ohne selber aus der ökologischen Szene zu kommen. Dieses Geld ist längst da." Als Beispiel führt er den Schweizer Investor Häni und die Asi-Gruppe an, die Basic-Anteile hält und hinter der "angeblich" irakische Investoren stecken.
"Basic funktioniert nur so, wie es jetzt ist", sagte Dosch. Die Vermischung des Basic-Konzeptes mit Lidl/Kaufland-Konzepten würde für Schwarz eine Entwertung seines eigenen Investments bedeuten.
Zu der Befürchtung, dass die Supermarkt-Konzepte für die kleineren Bio-Läden das Aus bedeuten können hat Dosch eine klare Meinung. Er sieht die Chance der Bioläden in der Nahversorgung mit professionellen Konzepten in den Städten: "Wer aber weiter im Körbchen sechs Aprikosen anbietet, von denen drei schrumpelig und schimmelig sind, wird es schwer haben, mit den Bio-Ketten und mit den Bio-Sortimenten von Edeka und Co. zu konkurrieren."
Die Frage, wen Bioland in diesem Existenzkampf unterstützt, beantwortet Dosch eher diplomatisch: "Bioland unterstützt die, die uns ermöglichen, Biolandbau in unseren Regionen zu stärken. Dabei ist uns bisher der Fachhandel, der auf Regionalität und Verlässlichkeit setzt, am liebsten."

Ähnlich lässt sich wohl die Stellungnahme des Demeterverband Nord interpretieren, dessen Geschäftsführer Joachim Bauck in der Welt zitiert wird: "Wenn das EG-Biosiegel bei Basic reinkommt, würden wir wahrscheinlich rausgehen". Denn die Standards beim Demeter-Siegel seien wesentlich höher als die des EG-Siegels. Für Joachim Bauck ist es unverständlich, warum Lidl aber überhaupt bei Basic einsteigen durfte. Nach seiner Auffassung "sei es möglich gewesen, den Discounter herauszuhalten". Eine endgültige Stellungnahme des Demeterbundes wird wohl erst im September zu erwarten sein, da erst dann das nächste bundesweite Treffen stattfinden wird, wie in der Welt zu lesen ist. Der lesenswerte Artikel ist bereits am 23.8.07 erschienen und enthält auch Stellungnahmen von namhaften Naturkostherstellern wie der "Zwergenwiese", einem Pionier bei der Herstellung von Brotaufstrichen und Senf mit aussschließlich biologischen Zutaten. Von Susanne Schöning, der Inhaberin der "Zwergenwiese" wird die "überraschende Entwicklung" so kommentiert: "Im Moment besteht eine Chance und eine Gefahr (..) Jetzt muss sich zeigen, ob die Schwarz-Gruppe nur Preise kaputt machen kann, oder ob sie auch lernfähig ist."

Das Ganze also doch kein Sommerloch-Thema? Vermutlich wird die Diskussion um den Einstieg von Schwarz/Lidl bei Basic noch eine ganze Weile anhalten und die Gemüter erhitzen. Waren es im Frühjahr noch die Meldungen über Lieferschwierigkeiten im Bio-Markt durch die verstärkte Nachfrage und den Bio-Boom, scheint der Kampf um die Markt-Anteile inzwischen die nächste Stufe zu erreichen. Im Interesse der Verbraucher ist allen Beteiligten anzuraten, das Augenmerk trotz der Freude über die vollen Kassen weiterhin verstärkt auf die Qualität der Bio-Produkte zu richten und dabei den Erzeuger nicht zu vergessen.

Taz-Online
Interview Thomas Dosch in der Wirtschaftswoche
Artikel in der Welt-online
Wachstum Öko-Markt ein Kommentar von Michael Mentzel

 

 

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