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Gute Zeichen?


Bioladen "Fruchtbare Erde", Alt-Niederursel

Ist es ein gutes Zeichen, wenn Bio-Waren knapp werden? Es ist einerseits ein Beleg dafür, dass es immer mehr Verbraucher gibt, die auf gesunde und ökologisch einwandfrei produzierte Lebensmittel Wert legen, andererseits wirft es ein Licht auf die Tatsache, dass die Wende in der Landwirtschaftspolitik verpasst wurde oder zarte Keime bereits wieder zertrampelt sind. Wenn die Umstellung auf eine biologische Wirtschaftsweise nicht mehr honoriert wird und umstellungswillige Bauern eine Veränderung aus eigenen Kräften nicht oder nur schwer bewerkstelligen können, hat das natürlich Auswirkungen auf den Markt. Schließlich ist ist es nicht damit getan, das Schild BIO aufzustellen und alle chemischen Mittel in die Mülltonne zu werfen, sondern während der Umstellungsphase, die mindestens 2 Jahre dauert, sind vielfältige Aufgaben zu bewältigen, die nicht mal eben nebenbei quasi nach Feierabend erledigt werden können. Ein Acker, der über Jahre mit der chemischen Keule behandelt wurde, ist nicht über Nacht frei von Giften und eine Kuh, deren Fütterung nicht nach strengen ökologischen Maßstäben erfolgt, wird wohl kaum die geforderten Standards bei der Milcherzeugung erreichen. Der politische Wille, hier eine Wende zum Besseren herbeizuführen, ist mit dem Wechsel zur schwarz-roten Regierung leider ein wenig schwach ausgebildet. Dass die Discounter und die Supermärkte ihr Bio-Angebot erhöht haben, spielt bei der Bewertung natürlich auch eine Rolle.

Nach Ansicht von Renee Herrnkind, der Pressesprecherin des Demeterbundes ist die Lage aber nicht so dramatisch, wie es einige Medien aufgeregt verbreiteten, allerdings wird sich der Handel auf veränderte Preisgestaltungen der Produzenten einstellen müssen. Denn die Landwirte können sich über die steigende Nachfrage freuen und erzielen so vielleicht einmal angemessene Preise für ihre Produkte. Die schlechte Ernte des vergangenen Jahres speziell bei Getreide und Kartoffeln wird sicherlich eine Preisänderung zur Folge haben.
Ein Lichtblick ist es, dass es seit 2006 schon 135 Umstellungsbetriebe allein im Bereich der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise gibt. Es bestehen also trotz der gekürzten Mittel für Umstellungen weiterhin Chancen, dass die Produktion gesunder Lebensmittel mit der Nachfrage in absehbarer Zeit Schritt halten kann. Solange wird die Nachfrage den Preis bestimmen. Für die Bauern jedenfalls nicht die schlechtesten Aussichten. Erinnert werden darf in diesem Zusammenhang vielleicht noch einmal an die Intitiative eines Supermarkthändlers und der Molkerei Schrozberg bei der Ladenpreiserhöhung der Demetermilch, die von den Kunden mitgetragen wird und den Erzeugern zugute kommt (link).Bemerkenswert ist es, dass der Deutsche Bauernverband ziemlich eindeutig für eine Ausweitung des biologischen Landbaus plädiert, ein positives Faktum sowohl für den Verbraucher als auch für die Umwelt.
Das Foto zeigt die Gemüseabteilung im Bioladen Fruchtbare Erde, im Hof 51 in Alt-Niederursel