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Bilderberg-Konferenz

08.06.2010

Promitreffen auf dem globalen Dorfplatz

mm/tdz. 08.06.2010 - Seit 1954 treffen sich Vertreter der Politik-, Wirtschafts- und Finanzeliten zu den so genannten "Bilderberg-Konferenzen". Die Informationen über diese Treffen waren spärlich und entzogen sich bis vor wenigen Jahren der Aufmerksamkeit der allgemeinen Öffentlichkeit. Sie bieten schon von daher den unterschiedlichsten Beobachtern willkommene Anlässe zur Spekulation über die Installation "neuer und geheimer Weltordnungen" und "durch höchste Kreise gelenkte" Aktionen zur Durchsetzung bestimmter Interessen mit wahlweise politischem oder wirtschaftlichem Hintergrund. Über Ergebnisse der Gespräche wird Stillschweigen vereinbart und bewahrt, was natürlich um so mehr zu Spekulationen reizt. Mit dem Internet aber und der damit verbundenen globalen Vernetzung rücken diese Treffen seit einiger Zeit vermehrt in den Fokus der Öffentlichen Meinung. Wird die Welt zum globalen Dorf, ist es kaum zu vermeiden, dass der Öffentlichkeit die "Promi-Treffen" auf dem Dorfplatz noch länger verborgen bleiben.

Was also steckt hinter diesen "Geheim-Treffen", die inzwischen wohl nicht mehr so richtige Geheimtreffen sind? Spekulationen schießen ins Kraut: Die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise, der Streit um die atomaren Gelüste des Iran und weitere Horrorszenarien beherrschen - so erfährt man hier und da - die Szene. Bei Licht betrachtet, ist allerdings nicht viel Erhellendes zu entdecken, außer der Tatsache, dass es diese Konferenzen überhaupt gibt. Die Beteiligten schweigen.

Für heise.de [Link] eine "Zumutung": "Dass gewählte Abgeordnete, Minister und Spitzenbeamte internationaler öffentlicher Einrichtungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit regelmäßig zweieinhalb Tage bei den Bilderberg-Konferenzen mit Vertretern der atlantischen Finanzoligarchie und Industriekapitänen vertraulich zusammensitzen, ist jedenfalls eine Zumutung. Ob am Wochenende der Präsident der Europäischen Zentralbank wieder mit dem Chef von Goldman Sachs plauschen wird?"

Bild.de [Link] scheint mehr zu wissen und titelt: "Geheim-Gipfel zur Eurokrise!", erzählt seinen LeserInnen aber auch nur das, was ohnehin schon überall zu lesen ist, um dann am Ende zu munkeln: "Übrigens: Der Euro ist am Freitag unter die Marke von 1,21 Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung war zwischenzeitlich nur noch 1,2038 Dollar wert und damit so wenig wie seit über vier Jahren nicht mehr. Jetzt schaltet sich Bilderberg ein. Retten SIE am Wochenende den Euro?"

Gleichwohl bleiben Fragen: werden dort Dinge besprochen, die Otto und Ottilie NormalbürgerIn, das gemeine Volk also, nichts angehen? Darf man vermuten, dass die Öffentlichkeit anschließend zwischen den Zeilen informiert wird, wenn, wie beim Deutschlandfunk [Link] zu lesen ist, der stellvertretende Chefredakteur der "Zeit", Matthias Nass, zum so genannten "Lenkungsausschuss" gehört, der zusammen mit dem Sekretariat der Konferenz die Teilnehmer einlädt? Warum tritt eine Bundeskanzlerin (Teilnehmerin 2005) nicht vor die Presse und berichtet, was dort besprochen wird?

Andererseits, was mag man wohl besprechen, wenn sich Regierende in Berlin mit den Wirtschafts- und Finanzgrößen beim Spargelessen treffen? Gibt es sie noch, die zahlreichen Hintergrundgespräche, die Politiker mit Journalisten in den Hinterzimmern Berliner Kneipen führen? Neben dem Informationsaustausch werden bei solchen Gesprächen im Allgemeinen konkrete politische Vorgänge besprochen und die Journalisten mit Insider-oder Hintergrundwissen versorgt, damit sie in das Horn derer stoßen mögen, die ihnen diese Informationen zugänglich gemacht haben. Die Netzwerke dürften mittlerweile Dimensionen angenommen haben, die zu groß sind, um sie überhaupt noch objektiv beurteilen zu können. Twitter und Facebook tun dann ein Übriges, um die Informationen in Sekundenschnelle kurz und schmerzlos in die Öffentlichkeit zu ballern, was über den Informationsgehalt derartiger Nachrichten erst einmal nichts aussagt. Im Fall der Bilderberger Konferenzen aber scheint die Geheimhaltung tatsächlich zu funktionieren, und so lässt sich durchaus fragen: Wie kommt es? 

Neben einigen eher verschwörungstheoretisch daherkommenden Infoportalen hat sich auch der Deutschlandfunk [Link] mit dem Thema beschäftigt: "Liegt die Problematik der Bilderberg und anderer privater Konferenzen gar nicht darin, was dort womöglich beschlossen wird? Liegt sie darin, dass nicht transparent ist, wer die Regie führt? Dass Teilnehmer und Inhalte sich nicht einer öffentlichen Debatte stellen müssen? Dass sie auf diese Weise im Hintergrund und ohne Widerspruch einen Mainstream erzeugen, der dann als "alternativlos" gilt? Eines geben diese Konferenzen wohl mit Sicherheit vor: die Blickrichtung eines wesentlichen Teils der Politik - von oben nach unten."

Dieser Einschätzung muss man wohl nach Lage der internationalen Politik und ihrer Verflechtungen mit den Wirtschafts- und Finanzeliten nicht zwingend noch etwas hinzufügen. 

 

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