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Besuch in Schloss Freudenberg


Dieser Artikel von Christine Fischer ist erschienen bei www.magisch-reisen.de Hier leicht überarbeitet mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Erfahrungsfeld der Sinne
"Es ist wie mit dem Küssen. Was ist das? Man muss es tun. Dann erst weiß man, was es ist. So verhält es sich auch mit dem Erfahrungsfeld. Erfahren hat eben mit Fahren zu tun. Hier liegt die Hürde. Wir sind seit Jahrhunderten darin geübt, die Erfahrung durch die Kenntnis zu ersetzen. Und leben in einer Ersatzwelt. In der nichts anderes ersetzt wird als das Leben selbst, eben: die Erfahrung.“
(Hugo Kükelhaus, aus Hören und Sehen in Tätigkeit, S. 23)

Das schrieb Hugo Kükelhaus, der im Jahre 1900 geboren wurde. Und nach diesem Motto wurde ein Wanderausstellung zum Thema Erfahrungsfeld ins Leben gerufen, die seit Jahren im Schloss Freudenberg in Wiesbaden beheimatet ist.
Obwohl diese Stätte der Wahrnehmung bereits seit 1993 der Öffentlichkeit zugänglich ist, drängt sich beim Besucher der Eindruck einer 'Baustelle' auf, was jedoch gewollt ist. Denn der Wiederaufbau und die Wiederbelebung des einstmals verfallenen Gebäudes wird als 'Erfahrungsfeld' und Lehrbaustelle inszeniert.
Immer wieder wurden und werden Künstler, Pädagogen, Architekten, Handwerker und Kinder eingeladen, am Aufbau des Erfahrungsfelds Freudenberg mitzuwirken. Aus diesem Grund ist der Verein als gemeinnützig anerkannt und erhielt für seine Verdienste für das kulturelle Leben in Wiesbaden den Kulturpreis der Landeshauptstadt.

Was genau aber ist nun im Schloss Freudenberg zu sehen und warum ist ein Besuch eine nachwirkende Erfahrung für jeden? An diesem Ort finden Sie 'Feldwege' zur Entdeckung, Erkundung und zum spielerischen Umgang mit all den Erscheinungen, die Himmel und Erde zusammenhalten. Dabei geht es nicht wie häufig in Ausstellungen, um Betrachten und Konsumieren, sondern darum, selbst Erfahrungen zu machen.

Vor dem Schloss finden sich u. a. ein Barfußweg, ein Summstein, diverse Geschicklichkeitsspielzeuge wie Laufrollen, Stelzen oder Wackelholzscheiben und vieles mehr. Erwachsene wie Kinder machen hier bei geeigneten Wetterbedingungen bereits erste Erfahrungen beim Berühren von unterschiedlichen Materialien oder dem Gebrauch unterschiedlichster Gegenstände. Alle Sinne werden angesprochen. Wer nicht nur zuguckt, sondern sich selbst auf das mitmachen einlässt, fühlt sich lebendig und aufgeladen, bereit zu neuen Taten. (Auch Managerschulungen finden hier statt.)
Im Inneren des Schlosss geht es dann weiter. Namen wie Strömungstafel oder Wolkenmaschine, Impulskugelreihe, Riesen-Dreizeitenpendel oder Duftorgel machen neugierig. Hier erlebt man Geräusche, Klänge, Düfte, Dunkelheit, Licht und vieles mehr in ganz anderem Dimensionen und mit einem neuen Gefühl der Ganzheit.

Es ist nicht leicht zu beschreiben, was Sie erleben werden, wenn Sie sich auf das Abenteuer 'Erfahrungsfeld' einlassen, denn nüchterne Beschreibungen helfen kaum weiter. Trotzdem hier ein kleiner Überblick über die vielfältigen Sinneswahrnehmungen, die Sie im Schloss Freudenberg erleben können:
Im Freien führt das Erfahrungsfeld Geomantie zu einem Ort der Kraft. Geomantie ist eine alte Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen Erde und Kosmos. Lassen Sie hier zum Beispiel einmal einen tonnenschweren Stein über sich hin und her pendeln, um die Gewalt der Natur zu erleben. Oder folgen Sie einem Stein-Labyrinth, dass bereits 500 Jahre v. Chr. in dieser Form gebaut wurde. Ebenfalls vor dem Schloss befindet sich der Barfußweg, der ganz neue Erfahrung für unsere schuhgewohnten Füße bietet. Anschließend sollten Sie einmal den Summstein ausprobieren, der eine Nachbildung eines unterirdischen Summlochs in Malta ist. Hören Sie hier Ihren ganz eigenen Tremor, etwas, was bei jedem Menschen einzigartig ist.

Im Inneren des Schlosses begegnen Sie als erstes dem Thema Schwingungen. Alles kann und soll in Bewegung gebracht werden. Impulspendel, Dreizeitenpendel, Spiralzeichner, Strömungstafel ... Weiter geht es mit schwerer erfaßbaren Phänomenen, hier nun sind Geduld und Aufmerksamkeit nötig, da sich nicht alles auf den ersten Blick erschließt, bzw. die Phänomene von Station zu Station springen. Farbige Schatten, Goethes Farbenlehre Abendrot und Himmelsblau, die prismatischen Farben, farbige Nachtbilder ...
Besonders beeindruckend im unteren Stockwerk der dunkle Raum und die Dunkelbar, beides Räume ohne einen jeglichen Lichtstrahl - absolute Dunkelheit, durch die man sich durchkämpfen muss; über Stock und Stein geht es treppauf- und treppab. Und wer sich traut, gönnt sich einen Drink in der nachtschwarzen, lichtlosen Bar und sieht sich bei der Bezahlung ungeahnten Schwierigkeiten gegenüber. Wie geht eigentlich mein Portemonnaie auf ... komisch ... tausendmal gemacht ... und doch ... wie finde und entnehme ich die Münze, ohne dass sie auf den Boden fällt. Und welche Münze habe ich hier eigentlich?
Bereits in der Dunkelzone wird der Hörsinn gefordert. Ebenso beim Malen mit Tönen, wo durch Sand und Töne Klangbilder erzeugt werden. Probieren Sie auch die chinesische Tempelglocke mit ihren fast meditativen Klangsequenzen aus. Oder versuchen Sie wie die Priester und Schamanen früherer Zeiten durch den wassergefüllten Hexentopf in die Zukunft zu blicken. Diese Bronzeschale kann durch Reiben zum Klingen gebracht werden und erzeugt dabei verschiedene Muster auf der Wasseroberfläche.
Aber auch die anderen Sinne kommen bei der Duftorgel oder der Tastgalerie nicht zu kurz. Alles in allem ein Fest der Sinne mit Eindrücken und Erinnerungen an frühzeitliche magische Bräuche und Urphänomene!
Meine persönlichen Eindrücke und Tipps: Am Besten lässt sich der Aufenthalt im Schloss Freudenberg als ein ganzheitliches Erleben beschreiben. Alle Sinne werden angesprochen und 'Erinnerungen' an Rituale und Naturglauben werden wach gerufen.
Lassen Sie sich Zeit, die einzelnen Stationen zu durchlaufen. Wer nicht gerade an Feiertagen dem Schloss einen Besuch abstattet, wird immer die Möglichkeit finden, die einzelnen Phänomen ganz alleine zu erfahren und auf sich wirken zu lassen. Beschränken Sie sich keinesfalls nur auf das Zugucken. Denn damit verpassen Sie die Chance auf einen ganz besonderen 'Kick' in Ihrem Leben.
Das Ambiente im Schloss ist inspirierend für künstlerisch empfängliche Menschen. Aber auch "Normalsterbliche" empfinden eine Belebung des Alltagslebens nach einem Besuch dieser "Ausstellung", die so gar nichts austellt, sondern in der erst der Besucher die für ihn erlebbaren Phänomene entstehen lässt.
www.schlossfreudenberg.de
Mehr zum Ideengeber dieses Projektes: www.hugo-kuekelhaus.de

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