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mm/tdz. Wir haben uns an die Schlagzeilen in den Zeitungen gewöhnt. An die Meldungen von Kriegen, Katatrophen und Leid und Elend. Die Chefredakteure raufen sich die Haare, wenn nicht jeden Tag etwas neues passiert oder zumindest der Vermarktungswert der jeweiligen Nachricht über einen bestimmten Zeitraum erhalten wird. Lokales wird mal eben zur Sensation hoch gepusht, die internationale Lage gibt immer etwas her, der Leser will bedient werden. Warum hat die Bild-Zeitung so eine Auflage? Es muss auch schnell gehen, die Nachricht von gestern ist alt, hinfällig, Geschichte. Bevor mir jetzt "Medienschelte" vorgeworfen wird: sie können auch anders. Beispiele davon gibt es genug. Die Zeit, der Rheinische Merkur etc.
Wie sind anthroposophische Medien im allgemeinen Medien-Kontext zu sehen? Die Anthroposophie ist, auch wenn man es manchmal nicht vermutet, längst im "normalen" Leben angekommen. Die anthroposophische Medizin, Wala und Weleda haben dazu bei getragen, die Waldorfschulen spielen im Bildungskonzert der Schulen eine nicht unerhebliche Rolle und die steigenden Umsätze in den Naturkostläden sind nicht zuletzt auch dank beharrlicher Aufbau- und Qualitätsarbeit der Demeter-Landwirte ein beredtes Beispiel für diese These. Und das alles trotz der von Zeit zu Zeit auftauchenden Horrornachrichten über den "systemimmanenten Rassismus" an Waldorfschulen oder die "rassistische Ausrichtung" der Anthroposophie. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Waldorfinterne Diskussionen um die "richtige Anthroposophie" interessieren den Unbeteiligten herzlich wenig und dienen in den meisten Fällen nur den Diskutanten zur Befriedigung des Egos und zur Beweihräucherung des eigenen Wohlgefühls. Einen Erkenntnisgewinn sucht man in den meisten Fällen vergebens, da die Argumente sich gemeinhin nur um die eigene Achse drehen. Da sich die Achse ebenfalls dreht, sind neue Perspektiven manchmal nur durch Abstand zu gewinnen. An zwei Beispielen möchte ich das etwas deutlicher machen.
Eines davon ist die monatlich erscheinende Zeitschrift INFO3. Von vielen Anthroposophen als nicht mehr zur Anthroposophie gehörigendes "Irgendwie-Anders-Blatt" betrachtet, von anderen wiederum ob seiner interessanten Betrachtungsweisen als spannend und zukunftsweisendes Organ einer aufgeklärten Anthroposphenschaft gelobt. Nun lassen sich sich zu manchen Artikeln sicher unterschiedliche Positionen einnehmen, aber bei der INFO3 wird der Versuch gemacht, anders zu denken, zur Welt gehörendes ernstzunehmen und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Dass diese Position nicht immer auf Wohlwollen stößt ist nicht verwunderlich. Manches dauert eben etwas länger. Apropos Wohlwollen: Wann haben Sie zuletzt eine richtige Schafswollweste auf der Monatsfeier einer Waldorfschule gesehen? Was man der INFO3 sicherlich nicht vorwerfen kann, ist "Hofberichterstattung". Die Redakteure sind zu sehr Individualisten, als dass hier eine Gefahr bestünde. Ein breites Spektrum anthroposophischer, aber auch allgemeiner Fragestellungen wird mit dieser Zeitschrift einem interessierten Publikum nähergebracht und das ist gut so. Es scheint zu gelingen, anthroposophische Betrachtungen von Zeitthemen aus einer als spinnert angesehenen "Eso-Ecke" zu holen und sie allgemein verständlich aufzubereiten. Auch hier gibt es manchmal "Sensationen", allerdings nicht im landläufigen Sinne. Immer jedoch ist diese Zeitschrift für eine breite Diskussion gut und so möchte man ihr wünschen, dass mehr "normale" Leser von ihr Notiz nehmen. Eine hohe Akzeptanz zeigt sich beim Anzeigenteil. Wer einen schnellen Überblick über die deutsche Waldorfschullandschaft haben möchte, dem reicht ein Blick auf die Stellenanzeigen im hinteren Teil der INFO3. Ein variationsreiches Layout, sauber gestaltete Grafik und gutes Bildmaterial tragen zum guten Gesamteindruck bei.
Etwas anders "gestrickt" ist das "Goetheanum", die Wochenschrift aus Dornach. Auf den ersten Blick ist es eine konserativ anmutende Zeitschrift. Ein wenig mag das auch mit dem Format und dem Layout zusammenhängen. Auf den zweiten Blick allerdings entpuppt sich das Blatt als eine moderne, zeitgemäße und aktuelle Publikation, die mit ihren Themen ziemlich genau den Zeitgeist trifft und diese Themen dann in einer Weise aufarbeitet, die so manchem konventiellen Blatt durchaus zu empfehlen wäre. Es ist bewundernswert, wie es gelingt, jede Woche eine solche Zeitschrift herauszubringen. Das Goetheanum ist, wenn auch die Anthroposophische Gesellschaft der Herausgeber ist, ein unabhängiges Organ. Seit 85 Jahren gibt es diese Zeitschrift, die Themen sind vielfältig und fast immer so interessant aufbereitet, dass auch der anthroposophische Laie, der mit dem Werk Steiners nicht so vertraut ist, davon einen Gewinn hat. Auch wird seit geraumer Zeit deutlich, dass man auch beim Goetheanum in Dornach nicht "schläft". Die weitverbreitete Ansicht jedenfalls, das Dornach in Bezug auf das Zeitgeschehen quasi hinter dem Mond sei, ist keinesfalls aufrecht zu erhalten. Ein etwas gemächlicheres Tempo bedeutet eben nicht Verschlafenheit oder Verträumtheit, sondern eher Beständigkeit und einen etwas genaueren Blick auf die kulturellen Zusammenhänge des Lebens und der Welt. Und dass die Redaktoren, wie man die Redakteure auf gut schweizerisch nennt, diesen "genaueren" Blick haben und uns immer wieder daran teilhaben lassen, finde ich schon beeindruckend. Woche für Woche pünktlich zu erscheinen, ein breites kulturelles Spektrum abzudecken und auf eine wirklich ernstzunehmende Weise zu publizieren ist eine große Leistung. Die im Jahre 2005 durchgeführte Layout-Änderung und die immer besser werdende Qualität der Fotos haben auf jeden Fall zu einem professionelleren Eindruck beigetragen. Insgesamt wäre dieser Zeitschrift ein größere Verbreitung zu wünschen.
Neben der INFO3 und dem Goetheanum gibt es natürlich noch andere anthroposophische Publikationen, wie die Erziehungskunst, Die Drei und noch einige mehr. Viele dieser Zeitschriften haben sich jedoch, wie beispielsweise die Erziehungskunst, speziell pädagogischen Themen zugewandt und sind damit nicht so ganz repäsentativ für das anthroposophische Medienspektrum zum Zeitgeschehen. Die Zeitschrift "die Drei" werde ich in einer anderen Ausgabe von Themen der Zeit etwas genauer betrachten.
Eine bemerkenswerte Initiative ist der von INFO3 Redakteur S. Gronbach wöchentlich herausgegebene Internet-Mediendienst INMEDIA. Dieser Dienst versteht sich als Medienspiegel und gibt einen recht genauen Überblick über die Präsenz anthroposophischer und waldorfspezifischer Themen in der "konventionellen" Medienlandschaft. Hin und wieder werden die Nachrichten durch eigene Interpretationen soweit aufbereitet, dass der Leser zu einer weiter gehenden Beschäftigung angeregt wird. Die persönliche Note, die er seinen Informationen hin und wieder verleiht, sieht man ihm gerne nach.
Die Nachrichten-Agentur NNA (News-Network-Anthroposophy) ist weniger öffentlich wahrnehmbar. Sie bereitet Nachrichten und Ereignisse aus allen anthroposophischen Bereichen professionell auf und stellt sie den Print- und Online-Medien zur Verfügung. Ihren Sitz hat die Agentur in London.
Einig sind sich, wie man hin und wieder vernehmen kann, alle Medienschaffenden in diesem Umfeld darüber, dass die schnelle Nachricht nicht hilfreich für eine genaue und sinnvolle Analyse von politischen und kulturellen Ereignissen ist. Hintergründe aufzuzeigen, andere Betrachtungsstandpunkte einzunehmen und damit neue Perspektiven zu eröffnen, ist jedoch das erklärte Ziel aller Beteiligten in diesem Medien-Zusammenhang. Ein beständiges Suchen nach der "Wahrheit", den Dingen "hinter den Dingen" und vor allem ein ehrlicher Umgang mit sich und dem "Konkurrenzblatt" ist dazu die beste Voraussetzung. Ganz sicher ist auch das das ein Grund dafür, dass der Leser den Redakteuren der anthroposophischen Publikationen trotz der oben beschriebenen Kritik an der Anthroposophie Sachkompetenz gerade auch bei den aktuellen Zeitfragen zutraut.
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