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Anmerkungen zum Grundeinkommen

Jede geleistete Arbeit ist prinzipiell Arbeit für andere.
Das heißt, daß jeder Tätige an einer bestimmten Stelle
seinen Beitrag leistet für das Herstellen eines Wertes,
der letztlich von irgendwelchen seiner Mitmenschen
verbraucht wird. Die Arbeit eines Menschen steht
nicht mehr in Verbindung mit seinem Konsumieren.

aus J. Beuys: "Aufruf zur Alternative"

 


1978 erscheint in der Frankfurter Rundschau ein "Aufruf zur Alternative". Der Kalte Krieg ist in vollem Gange. Die Gegensätze von Ost und West haben sich tief in die Herzen der Menschen gegraben, Macht und Ohnmacht sind die bestimmenden Faktoren in dieser Welt.

Damals wie heute hatten die das Sagen, die die "besseren" also die kapitalkräftigeren Argumente ins Feld führten. Der "Kalte Krieg" ist vorüber, und mit der scheinbaren Auflösung der Machtblöcke schien ein Zeitalter der Kooperation anzubrechen, Frieden schien greifbar und machbar. Aber hat sich wirklich etwas verändert? Ist die Welt sozialer geworden? Oder haben sich im Dunstkreis der schwindenden Bedrohungen ganz andere Kräfte entwickelt, deren Auswirkungen wir wegen der allgegenwärtigen Euphorie über unseren wunderbaren Lebensstandard noch gar nicht so richtig begreifen? Deren Auswirkungen wir für eine Entwicklung zur Individualität halten, der wir je nach Weltanschauung mit einer Begründung durch eine neue Spiritualität oder durch ungehemmten Konsum und scheinbarer Freiheit begegnen?

Der "Aufruf zur Alternative" von Joseph Beuys hat fast dreißig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nichts von seiner Aktualität verloren, auch wenn die darin beschriebenen Gesellschaftsmodelle eine Wandlung erfahren haben. Das Verhältnis der Menschen zu ihrer Arbeit und ihrem damit verbundenen Einkommen hat sich nicht wesentlich geändert. Das wütende und arrogante Geheul über die "Spinner und Rattenfänger (Olaf Henkel und andere zu Götz Werner und anderen Befürwortern des Grundeinkommens) ist immer noch ein gängiges Mittel, um die bestehenden Verhältnisse nicht in Frage stellen zu müssen.

Dennoch, sowie der Aufruf zur Alternative auch heute noch aktuell ist und im Sinne des erweiterten Kunstbegriffes und nach Johannes Stüttgen auch im Sinne eines erweiterten Arbeitsbegriffes verstanden werden kann und muss, wird auch die Einführung des Grundeinkommens primär nicht von Aktionismus befördert, sondern von Einsicht. Dabei mitgewirkt zu haben, dass diese Einsicht weiter um sich greift und eine Veränderung herbeiführen kann, die einen wirklichen Wandel bedeutet, ist das Verdienst der Tagung "Grundeinkommen wie?" in Kassel.

Aufruf zur Alternative, J. Beuys 12/1978

 

 

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