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Alles Müll oder was?

Stute und Stratmann. Vielleicht doch nur ein "Kohle-Kraftwerk"?

mm/tdz. Nicht für jeden scheint Müll ein schmutziges Geschäft zu sein. Für einige Leute scheint es so lohnend zu sein, dass die Beteiligten sich einen Dreck um die Belange von Betroffenen kümmern, genauer: ihre "sauberen" Geschäfte dort abwickeln, wo sie am meisten Profit versprechen. Worum geht es eigentlich bei dem Paderborner Müllofen?

Im Paderborner Industriegebiet Mönkeloh gibt es ein freies Grundstück. Es liegt zwischen den Hallen der Firma Stratmann und den Produktionsanlagen der Firma Stute. Stute ist einer der größten Marmeladenhersteller Deutschlands. Marmeladenkocher brauchen Energie. Stratmann ist ein Riesen-Müllmann, nicht unbedingt ein kleiner Fisch im Haifischbecken der deutschen Müllentsorger. Was also liegt näher, als hier einen Deal einzufädeln, der Müll zu Energie und damit zu klingender Münze "veredelt"? Das kann man durch die Errichtung einer MVA, einer Müll-Verbrennungs-Anlage erreichen. Mit der durch eine solche Anlage erzeugten Energie kann man einerseits viel Geld verdienen und andererseits auch noch mehr Marmelade kochen.

Wo aber zum Teufel nimmt man bloss den ganzen Müll her? Nun, das weiß man vielleicht noch nicht so genau. Marmeladengläser kommen in den Glascontainer und die Deckel in den gelben Sack. Die Region gibt also soviel Müll gar nicht her, wie man braucht, damit eine Anlage wie die geplante auch rentabel ist. Was wird also näher liegen, als den Müll von woanders heran zu karren? Mülltourismus. Auch kein schlechtes Geschäft, denn in dieser Tourismussparte ist allerhand drin. Das alte Kinderspiel "Raten von Autonummern" könnte glatt wieder aufleben. "Guck mal, der Lastwagen da. Wow, der kommt aus Neapel!"

Müll macht Dreck. Dreck, der normalerweise gefiltert und noch einmal gefiltert wird und der im günstigsten Fall als laues, kaum mehr wahrnehmbares Lüftchen den Schornstein verlässt. Solche Filter sind aber teuer, obwohl es sie gibt. Aber vielleicht lohnt sich das Geschäft nicht mehr, wenn man soviel investieren muss.
Vielleicht will man aber auch nur zeigen, was man hat. Wie könnte man das wohl am besten erreichen. Ganz einfach. Man wählt den Filter etwas kleiner, damit die BürgerInnen sehen, riechen und am Ende wohl auch schmecken kann, dass die Müllkonjunktur stetig aufwärts geht. Wo viel Müll ist, muss schließlich auch viel Konsum sein. Wo viel Konsum ist, das weiß man ja auch aus dem Fernsehen und der Werbebranche, geht es den Menschen gut und so schließt sich der Kreis und der Spruch: "Der Schornstein muss rauchen", bekommt auch wieder eine neue Bedeutung. Möglicherweise sehen das Leute so, die in der schönen Stadt Detmold sitzen, über die Errichtung einer solchen Müll-Veredelungs-Anlage zu befinden haben und die sich - schon rein ideologisch - über "Rauchende Schornsteine" freuen. Das wäre ja verständlich - wenn auch nicht besonders umweltfreundlich. Daran wollen wir also schon mal gar nicht denken, denn der Herr Stratmann schreibt ja auch auf seiner Webseite: "Der Schutz der Umwelt vor Schadstoffen und der sparsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen gehören zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben." Na bitte.

Nun ist aber die Ablehnung dieser umweltpolitischen Großtat beispiellos. Die Region, also die Menschen, die hier und in der näheren Umgebung leben, denken nämlich mit. Und die denken gar nicht daran, schlecht gefilterten Dreck einzuatmen oder der Welt zu zeigen, wie konsumfreudig man ist. Man denkt an die Kinder und das schöne Naherholungsgebiet, man denkt an Kurkliniken in Bad Lippspringe und an das Demeter-Brot aus Schloss Hamborn. Man denkt an Alte und Kinder. Alte sind, Kinder brauchen Zukunft.

Natürlich, nicht immer können alle Menschen glücklich sein. Dass aber in Paderborn nur zwei Leute mit so einer Dreckschleuder und der Kohle, die sie aus dem Ding herausholen wollen, glücklich werden sollen, das scheint mir denn doch ein bisschen wenig. Oder ist es am Ende gar keine Müll-Verbrennungsanlage, sondern ein Kraftwerk zur Erzeugung von Kohle?

 

 

 

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