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Auf Kritik sind Pläne des Bundeslandwirtschaftsministeriums gestoßen, das bundeseigene Öko-Landbau-Institut in Trenthorst (Ostholstein) zu schließen. Hintergrund ist offensichtlich ein Konzept des Ministeriums zur Neuordnung seiner Ressortforschung. Diese soll auf vier Forschungseinrichtungen mit 47 Instituten verringert werden. Dabei sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre 500 Mitarbeiter eingespart werden. Bisher sind 2800 MitarbeiterInnen an 20 Standorten beschäftigt. Der Entwurf muss allerdings erst noch mit den Ländern abgestimmt werden, die von Institutsschließungen betroffen sind. Vorangehen muss die Erarbeitung einer Gesetzesvorlage, die dann noch verabschiedet werden muss.
Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), nannte es einen Schildbürgerstreich, Trenthorst zur Investitionsruine zu machen: "Für seinen Aufbau wurden Millionen investiert, und jetzt wird dort erstklassige Arbeit geleistet", sagte er in seiner Stellungnahme. "Der landwirtschaftliche Betrieb ist ein Organismus, in dem vom Boden über Pflanze und Tier bis zum erzeugten Lebensmittel alles zusammenhängt. Auch die Stufen der Produktionskette bis hin zum Verbraucher existieren nicht isoliert. Deshalb braucht es eine ganzheitliche Forschung, die alle ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen im Blick hat. Nur so kommt man zu zukunftsfähigen und nachhaltigen Innovationen", sagte er in einer Pressemitteilung.
Auf die Unsinnigkeit der Schließungspläne verwies der Geschäftsführer der BÖLW, Dr. Alexander Berber: Durch seinen ganzheitlichen Ansatz zeige gerade der ökologische Landbau Lösungen für den gesamten landwirtschaftlichen Bereich auf. Die Richtschnur der Ressortforschung müsse sein: " Eine existenzfähige, umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft, die Ressourcen schont, einen Beitrag zur ländlichen Entwicklung leistet und gesunde und sichere Lebensmittel erzeugt." Dieses entspreche den Anforderungen an eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Einig ist sich Gerber mit führenden Wissenschaftlern darüber, das die Lösungen für derartige komplexe Fragestellungen einer "systemorientierten Agrar und Ernährungsforschung bedürfen".
Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer wird aufgefordert, die Entwürfe zurückzuweisen. Es sei zunächst ein Dialog mit den gesellschaftlichen Akteuren und der Wirtschaft zu führen, welche Forschung in Zukunft gebraucht würde und wie diese zu organisieren sei.
Mit der seinerzeit von der rot-grünen Bundesregierung propagierten Agrarwende scheint es nach Lage der Dinge tatsächlich nicht mehr all zu weit her zu sein. Auf die Fortsetzung der Diskussion um den richtigen Weg in der Forschung des ökologischen Landbaues darf man deshalb gespannt sein.
Einem Artikel in der FR vom 11.11.06 zufolge kommt Kritik an dem Konzept auch aus den eigenen Reihen. Der Autor des Artikels, Stephan Boernecke schreibt: "So bemängelt die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft FAL, zu der Trenthorst noch gehört, in einem der FR vorliegenden internen Papier, die avisierte Schließung dieser und anderer Stätten angesichts der "bereits investierten Mittel und der in den letzten Jahren geleisteten Aufbauarbeit". Überdies zeigt sich die FAL befremdet, dass sie, obwohl Hauptbetroffene, "zu keinem Zeitpunkt" in die Planung eingebunden worden sei."
zum Artikel in der FR >>
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