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9/11 - Unabhängige Untersuchung?

09.08.2011

Ein kontroverses Thema und viele Meinungen. Schweizer Bürger, Wissenschaftler, Künstler und Politiker fordern eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom 11. September 2001. Ist eine neue Untersuchung überhaupt gewollt?

mm/tdz- Die Ereignisse, die unter dem Namen "nine eleven" in die Geschichtsbücher eingehen werden, haben die Welt nachhaltig verändert. Die Fernsehbilder dieses Tages, an dem zwei Flugzeuge in zwei der WTC-Türme gerast waren, haben sich tief in das Bewussstsein der Amerikaner, aber auch der Europäer, eingegraben. Die damals von vielen ausgesprochene Befürchtung, dass sich sich im Sog dieser Ereignisse unser Verhältnis zu den in Deutschland lebenden Muslimen ändern könne, war berechtigt. Inzwischen haben Internetportale wie "political incorrect" offensichtlich Klickraten, von denen die seriöse Werbewirtschaft den Hut zöge, würden die Kommentare zu einer Vielzahl von Beiträgen nicht so unverhohlen fremdenfeindlich und rassistisch daherkommen, dass einem hin und wieder die Spucke wegbleibt.

Seit geraumer Zeit werden die Grenzen zwischen sachlicher Aufklärung über die Integration von MigrantInnen und den allfälligen Ansichten, wie sie jeder Stammtisch bietet, fließend; ein Beispiel sind die Sprüche Thilo Sarrazins über die Nützlichkeit von türkischen Gemüsehändlern, Kopftuchmädchen oder sein Buch "Deutschland schafft sich ab". Dazu die selbstgefällige und in polemisch-satirischem Gewand daherkommende Grün-Links- und Islamophobie eines Henryk M. Broder, der mit seiner Achse des Guten die Gedankenwelt einer intellektuellen Mittelschicht durchaus zu beeindrucken vermag.

Halt macht bis heute die politische Inkorrektheit allerdings bei dem Thema 9/11. Nachfragen und Zweifel an den offiziellen Darstellungen sind nicht erwünscht, denn ohne die - offensichtlich - bis ins Mark getroffene westliche "Werteweltanschauung" würden wir uns heute vermutlich sowohl über Afghanistan als auch über den Irak anders unterhalten. Kritik am Umgang mit den Ereignissen in New York vom 11. September 2001, bei denen drei Bürotürme des WTC (World Trade Center) in Schutt und Asche zusammenfielen, ist ein absolutes Tabu. Verständlich ist das allemal, denn andere als die durch die offizielle Untersuchung belegten Erkenntnisse - nach denen die islamistischen Attentäter die Flugzeuge in die Wolkenkratzer gelenkt haben - würden nicht nur die seinerzeit regierungsamtlich Handelnden bloßstellen, sie würden möglicherweise noch ganz andere Dinge einstürzen und das ohnehin schwindende Vertrauen in die Integrität von Politikern vermutlich gänzlich den sprichwörtlichen Bach heruntergehen lassen. 

Dass unter dem Namen von Freiheit und Demokratie Dinge möglich sind, die dazu dienen können, einer schlafenden Gesellschaft Sand in die Augen zu streuen, zeigte unlängst der Schweizer Wissenschaftler und Friedens- und Konfliktforscher Dr. Daniele Ganser in seinem Buch über die Nato-Geheimarmeen. (tdz)

Daniele Ganser gehört, wie vor einiger Zeit im Schweizer Tagesanzeiger zu lesen war, zu einer Gruppe Schweizer Bürger, Politiker und Wissenschaftler, die auf der Webseite "9/11 untersuchen" eine wissenschaftlich seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema 9/11 fordert. Ganser in seinem Statement auf der Webseite: "Das Thema ist sehr kontrovers und die Meinungen gehen weit auseinander. Trotzdem darf die Wissenschaft 911 nicht scheuen, es muss zu einer "Historikerdebatte" kommen. (...) Wir brauchen eine offene, sachliche, wissenschaftliche Debatte über alle offenen Fragen, unter anderem den Einsturz von WTC7, die Bilder vom Pentagon-Einschlag, die Nicht-Reaktion der Luftwaffe und Insider Trading."

Es liegt auf der Hand, dass der Wissenschaftler Ganser damit nicht gerade offene Türen einrennt, denn die von ihm genannten Stichworte bedeuten "vermintes Gelände". Die Medienresonanz auf die Ankündigung ist dementsprechend verhalten oder findet überhaupt nicht statt. Allerdings sind es nicht nur Historiker, die Fragen stellen und beantwortet haben wollen, sondern es haben sich auch eine ganze Reihe Politiker, Künstler und ganz "normale" Bürger der Schweizer Initiative angeschlossen und fordern eine unabhängige Überprüfung der Vorgänge.

Im Gespräch mit Themen der Zeit vermochte Daniele Ganser nicht zu sagen, wann eine solche Untersuchung abgeschlossen sein könne, viele Dinge seien dabei zu berücksichtigen: "Zuerst muss man herausfinden, ob es wirklich viele Menschen gibt, welche eine neue und unabhängige Untersuchung von 911 wollen", so Ganser. Denn die Webseite sei noch sehr neu, man müsse zuerst sehen, ob die Forderung im deutschen Sprachraum überhaupt auf ein breites und echtes Interesse in der Bevölkerung stosse. "Erst in einem zweiten Schritt wäre danach zu klären, wer diese Forschungsleistung koordinieren, finanzieren und erbringen könnte, und ob amerikanische Universitäten und Regierungsstellen an einer solchen Arbeit mitwirken würden." Der Druck sei in den USA und auch in der EU gross, die offizielle Version nicht zu hinterfragen.

Die offizielle Untersuchung ist im Kean-Report aus dem Jahre 2004 dokumentiert, die der US Historiker Philip Zelikow koordiniert hat; der Umfang des Dokuments beträgt immerhin 600 Seiten; Daniele Ganser allerdings ist der Meinung: "Nur wenige haben es wirklich gelesen. Nachdem ich es studiert habe, bin ich leider zum klaren Schluss gekommen, dass es von der Qualität her ungenügend ist. Der Einsturz des dritten Gebäudes WTC7 wird zum Beispiel nicht einmal erwähnt. Das geht natürlich nicht."

Zum 10. Jahrestag seien wir mit einer schwierigen Diskussion um Ehrlichkeit in der Wissenschaft konfrontiert, ähnlich wie bei der Debatte über die Plagiate in der Dissertation Guttenberg, meint der Wissenschaftler Ganser: "Doch anders als bei der zu Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers geht es bei der 9/11 Untersuchung von Zelikow um sehr wichtige politische Entscheide, darunter das Ausrufen des NATO Bündnissfalles nach den Terroranschlägen, was wiederum Deutschland in den Afghanistankrieg gezogen hat."

Der Schweizer Tagesanzeiger zitiert in seinem Bericht aber auch den deutschen Terrorismus-Experten Rolf Tophoven: Dieser "hält Thesen, die Regierung Bush hätte 9/11 inszeniert oder zumindest nicht verhindert, für 'puren Unsinn'. 'Wer wirklich wissen will, wie diese Vorhaben geplant und durchgeführt wurden, sollte die Ausführungen von Chalid Scheich Mohammed nach der Festnahme lesen, dem Drahtzieher hinter den Terrorattacken'."

In knapp einem Monat werden es 10 Jahre sein, in denen die mit 9/11 begründeten Kriege und militärischen Auseinandersetzungen in Afghanistan und im Irak für sehr viele Menschen unendliches Leid und Trauer gebracht haben. Im Namen von Freiheit und Demokratie ist viel Blut geflossen und es sind unwiderbringliche kulturelle Werte zerstört worden. Nicht alles ist von der so genannten Weltgemeinschaft goutiert worden. Weit mehr als die Hälfte aller Deutschen lehnen beispielsweise die "Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch" ab.

Ob es gelingt, Klarheit in die Betrachtung der Geschehnisse vom 11. September zu bringen, darf angesichts der momentanen Weltlage aber auch durchaus bezweifelt werden. Die Schweizer Forscher werden sich warm anziehen müssen.

Webseite 9/11 untersuchen 
Tagesanzeiger 
Kean-Bericht

 

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3 Kommentare

Seite 1 von 1 1

#1 Harm H. Robbe schrieb am 09.08.2011 12:00

Die Schweizer Initiative „für eine neue, unabhängige 911-Untersuchung“, ist für mich vorbildlich; wo finde ich aber die entsprechende Initiative für den ganzen deutschen Sprachraum? (Dies sollte nicht nur „Persönlichkeiten aus der Schweiz“ vorbehalten bleiben.) Die Fragen sind zu wichtig, als dass sie nur innerhalb von Staatsgrenzen gestellt – und vor allem, auch beantwortet werden müssen; sie gehen jeden von uns etwas an.

#2 berger schrieb am 09.08.2011 20:33

Habe heute von Herrn Schaer (info@911untersuchen.ch), aufgrund meiner Unterstützungserklärung auf der Schweizer Plattform, folgende Nachricht erhalten:

 

Sehr geehrter Herr Berger

 

Aufgrund des grossen Interesses gibt es 911untersuchen demnächst auch in Deutschland und Österreich. Möchten Sie unterschreiben? Wenn ja, lassen Sie mir bitte ein Statement, Ihren Wohnort und Ihre Berufsbezeichnung zukommen.

 

Besten Dank und freundliche Grüsse

Stefan Schaer

#3 Peter Robles Maceo schrieb am 10.08.2011 12:04

In Bälde ein zehnjähriges Thema!Deshalb: In der Kürze liegt die Würze...Geht auf:

alles-schallundrauch.blogspot.com

ICH sage nicht, dort liegt das Ei des Kolumbus, noch, von dort führen alle Wege nach Rom; aber immerhin wer dort suchet der findet- gangbare Wege zu 9/11.

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